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Dada ist 100

Redaktion: 

Herbert Kampfer auf Bayern 2:

„Anfang 1916, kurz nachdem Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin die Gruppe Internationale gegründet hatten und wenige Wochen bevor an der Westfront die Kämpfe um Verdun begannen, kündigte in Zürich eine Pressenotiz die Gründung eines Künstlertreffs an: „Cabaret Voltaire. Unter diesem Namen hat sich eine Gesellschaft junger Künstler und Literaten etabliert, deren Ziel es ist, einen Mittelpunkt für die künstlerische Unterhaltung zu schaffen.

Der Hauptinitiator des neuen Treffs, Hugo Ball, notierte in seinem Tagebuch über den Eröffnungsabend am 5. Februar 1916:
"Das Lokal war überfüllt; viele konnten keinen Platz mehr finden. Gegen sechs Uhr abends, als man noch fleißig hämmerte und futuristische Plakate anbrachte, erschien eine orientalisch aussehende Deputation von vier Männlein, Mappen und Bilder unterm Arm; vielmals diskret sich verbeugend. Es stellten sich vor: Marcel Janco der Maler, Tristan Tzara, George Janco und ein vierter Herr, dessen Namen mir entging. Arp war zufällig auch da und man verständigte sich ohne viel Worte."

Dass aus der Initiative einiger europäischer Künstler, die sich aus ihren Heimatländern in die Schweiz abgesetzt hatten, eine Kunst- oder Anti-Kunst-Richtung hervorgehen sollte, die 100 Jahre später verschwommen als eine Art Urknall der modernen und der populären Kultur in der Erinnerung haften würde, dies entsprach sicher nicht den Absichten der Zürcher Dadaisten in der Spiegelgasse.“

Für offene Ohren ist die Sendereihe Dada 100 mit insgesamt neun Sendeterminen konzipiert. Sie ist keine kulturgeschichtliche Dokumentation, in ihrem Mittelpunkt stehen vielmehr Hörspielproduktionen des BR, die auf der Grundlage unterschiedlicher Texte – Prosa, Manifest, Partitur – dadaistischer Künstler entstanden sind: Hugo Balls Roman Flametti oder vom Dandysmus der Armen, den der Autor selbst als eine „Glosse zum Dadaismus“ bezeichnet, und sein Roman-Konvolut Tenderenda der Phantast, Richard Huelsenbecks expressionistische Novelle Verwandlungen und sein dadaistischer Roman Doctor Billig am Ende, der nur in Teilen veröffentlichte Schlüsselroman Hyle von Raoul Hausmann aus der Zeit der Emigration, das Manifest Letzte Lockerung und der Roman Die Tigerin von Walter Serner sowie Die Ursonate von Kurt Schwitters, BR/WDR 1989.
 

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