Fixpoetry

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Traum mit Tieren

Redaktion: 

Montag, dem 14. März in der Lettrétage: eine Lesung von István Kemény. Der ungarische Schriftsteller liest aus seinem Lyrikband Ein guter Traum mit Tieren und wird von seinen Übersetzerinnen Orsolya Kalász und Monika Rinck begleitet, die die deutschen Fassungen vortragen und moderieren werden.

István Kemény zieht in seinem neuen Gedichtband Bilanz und verschränkt dabei die Situation des individuellen Älterwerdens mit der in seinem Heimatland. Er fixiert schonungslos, was er dort in seinem Alltag sieht: Enttäuschte Menschen, die die Zukunftsträume von einst, da der Eiserne Vorhang fiel, längst begraben haben. Ein Land, »bösartig, verblendet, stur und altbacken«, verloren zwischen Lüge, Vergessen und dem Alb der Vergangenheit. Erschütterte Gewissheiten, Figuren aus dem Arsenal der ungarischen Geschichte, zugelaufene Totemtiere, Gespenster, eigene wie fremde. Und ein lyrisches Ich, das um die diffizile Dialektik weiß, die es an die schwierige Heimat bindet. István Kemény hat die poetische Summe seines bisherigen Lebens gezogen – und mit seinem ganz eigenen lakonisch-subversiven Witz einen Gegenzauber gegen den Kleinmut gefunden.

István Kemény:  Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte. Übersetzt von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz.

 

Kleine Elegie

Der, der ihn abschoss, ist schon lange tot,
das Ziel noch nicht einmal geboren.
Der Pfeil saust gerade durch das Haus.

Meine Erlebnisse sind im Entstehen.
Erinnerungen werden sinnlos vergehen.
Wie ein Kondensstreifen sehe ich verschwindend aus.

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