Fixpoetry

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Remembering Erich Mühsam

Redaktion: 

Erich Kurt Mühsam (6. April 1878 in Berlin – 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg)

In der Zelle

Scheu glitt ein Tag vorbei - wie gestern heut.
Ein leerer rascher Tropfen sank ins Jahr.
Und wenn sich aus der Nacht geballtem Nichts
der letzte Schatten in den Morgen streut -
du freust dich kaum am kalten Kuß des Lichts.
Und morgen wird es sein, wie's heut und gestern war.

Gefängnis: Leben ohne Gegenwart,
ganz ausgefüllt von der Vergangenheit
und von der Hoffnung ihrer Wiederkehr.
Du fragst nicht, ob du weich ruhst oder hart,
ob deine Schüssel voll ist oder leer.
Betrogen um den Augenblick verrinnt die Zeit.

Du wirst nicht älter und du bleibst nicht jung.
Gewöhnung weckt dich, bettet dich zur Ruh.
Dein Fragewort heißt niemals: Wie? - Nur: Wann?
Doch Wann ist Zukunft, Wann ist Forderung.
Weh dir, wenn dich Gewöhnung töten kann.
Verlern das Warten nicht. Bleib immer Du! Bleib Du!

 

Linkliste zu Beiträgen über Erich Mühsam

Erich Mühsam
Manja Präkels und Markus Liske
DAS SEID IHR HUNDE WERT!

Was wir verloren haben.
Zum Jahrestag der Ermordung Erich Mühsams durch …
Jan Kuhlbrodt | Fixpoetry im Juli 2014

Die Gedichte Erich Mühsams gehörten in den vergangenen Jahrzehnten, vor allem die, welche sich gegen den Opportunismus der Sozialdemokratie richteten, zur linksradikalen Folklore. Das Lied vom Lampenputzer, der in Tränen ausbricht, weil die Revolutionäre die Gaslaternen aus dem Pflaster reißen, um Barrikaden zu errichten, hat es sogar in DDR-Schulbücher geschafft. Das hat etwas damit zu tun, dass die Texte einen tagespolitischen Anlass hatten. Werden sie allerdings ...

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Die Natur ist talentlos ODER Wiederkehr der Geschichte
Zum 80. Todestag Erich Mühsams
Essay von Oleg Jurjew | Fixpoetry im Juli 2014

Der Autor des Golem hat sich tatsächlich als eine Art Wahrsager erwiesen: Erich Mühsam starb am 10. oder (nach anderen Angaben) 11. Juli 1934 im KZ Oranienburg. Was heißt hier „starb“? Er wurde gefoltert und ermordet. Die Mörder proklamierten dabei ihr Racherecht für die 1919 in München erschossenen Geiseln der Räterepublik.

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Wertvolle Momentaufnahmen
Demonstrative Selbstermutigung. Die Tagebücher von Erich Mühsam
Martin Jankowski | Fixpoetry im Februar 2012

Mühsams Tagebücher von 1910/11 überliefern wertvolle  Momentaufnahmen aus der Künstlerboheme des untergehenden deutschen Kaiserreichs. Sie zeichnen das Lebensbild eines hedonistischen Lebemanns und gesellschaftlichen Außenseiters, weswegen sie als Lebensbericht nicht exemplarisch für „den deutschen Durchschnittsbürger“ von damals stehen können - aber vielleicht macht gerade das sie so interessant. Mühsams offenherzige Selbstdarstellung ...

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Erich Mühsam
Chris Hirte und Conrad Piens
TAGEBÜCHER 1912 - 1914

KRIEG!
Jan Kuhlbrodt | Fixpoetry im Dezember 2012

Sogar Lyrik!  Die Problemlage des Publizisten Mühsam Ende 1912 schien sich also nicht wesentlich von der eines Lyrikers heute zu unterscheiden. Immer drücken ihn Geldsorgen, und der wohlhabende Vater hält ihn kurz. Bei allem liefert der Text einen Einblick in das Leben der Münchner Bohème: man war immer auf der Suche nach Publikationsmöglichkeiten, Geldquellen, und erotischen Abenteuern, bildete  eine mehr oder weniger funktionierende ...

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Erich Mühsam
Chris Hirte und Conrad Piens
TAGEBÜCHER 1915

Der Krieg etabliert sich
Jan Kuhlbrodt | Fixpoetry im August 2013

Wie vor dem Krieg wird Mühsam weiterhin von Geldsorgen geplagt. Sein Vater hält ihn kurz und will einfach nicht sterben. Ein zäher alter Herr, der sich von einer Krankheit, in die Mühsam seine ganzen monetären Hoffnungen gelegt hatte, stetig erholt. Hier wird der zynische Subtext bürgerlicher Familienmodelle deutlich. Die Erbschaft als Verheißung und Mittel zur Disziplinierung. Als letzteres versagt sie bei Mühsam natürlich, was ihren Zynismus im Wunsch ...

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