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Variierte Vision

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Michaela Melián: "Speicher", 2008 (Ausschnitt) Foto: © die Künstlerin

Neu als Digipack bei belleville in München als intermedium 66: Michaela Meliáns Hörspiel Speicher (im Jahr 2008 zum Hörspiel des Jahres gekürt).

"Wie thematische Aspekte, europäische Orte und Wanderbewegungen von den Romantikern bis hin zu Wirtschaftsflüchtlingen, Grenzgängern und Schleppern sowie den Flüchtenden aus dem Iran im späten 20. Jahrhundert verbunden werden, nämlich in Schleifen, Kreisen, Wiederholungen und Spiralen, macht das Hörspiel zu einem sanft dynamischen Raum, der von Zitaten durchweht ist."
Jurybegründung zum Hörspiel des Monats Januar 2008

Thematischer und formaler Ausgangspunkt für »Speicher« ist »VariaVision – Unendliche Fahrt«, die 1965 realisierte, heute verschollene intermediale Arbeit von Alexander Kluge (Texte), Edgar Reitz (Filme) und der vor Kurzem verstorbene Josef Anton Riedl (Musik) zum Thema des Reisens.

»VariaVision« versuchte als Rauminstallation durch die gleichzeitige Vorführung und Wiedergabe von Filmen, mehrkanaliger Musik und Sprache eine neue und andere Wahrnehmung von Musik, Film und Text zu verwirklichen. Reitz und Kluge unterrichteten damals an der internationalen Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens zwischen 1955 und 1968 maßgeblich die deutsche und internationale Design-, Kunst- und Mediengeschichte geprägt hat. Die HfG führte als private Hochschule, getragen durch die Geschwister-Scholl-Stiftung, die gewaltsam beendete Tradition des Bauhauses fort und definierte für die BRD die Begriffe Moderne / Utopie / Gestaltung / Alltagskultur / Erziehung / frühe digitale Kultur im Sinne eines demokratischen und ästhetischen Neuanfangs in Deutschland nach 1945, zwischen Utopien und Realitätssinn. So befand sich in der Hochschule ab 1963 eines der ersten elektronischen Studios in Westdeutschland, das 1959 in München gegründete Siemens-Studio für elektronische Musik. Das Studio mit seinem Versprechen von neuen, rein elektronisch erzeugten Klängen, wurde seinerzeit sehr erfolgreich international von Komponisten und Musikproduzenten genutzt, heute ist es im Deutschen Museum München ausgestellt. Riedl realisierte in diesem Studio die Musik für »VariaVision«.
Für »Speicher« hat Michaela Melián das Studio im Deutschen Museum München noch einmal zum Klingen gebracht. Diese Klänge, Töne, Geräusche wurden aufgezeichnet und bilden die klanglichen Basisbausteine für »Speicher«. Dazu verschränkt sie Aussagen und Texte zu Reise und Bewegung zu tönenden Schleifen und Spiralen.

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