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Autor(-dys-)funktion | Ein Vortrag von Martin A. Hainz

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Der Autor, das Medienphänomen und das Opfer seiner Poetologie, so Klopstock. Sein Hauptwerk ist Der Messias, ein Epos in 20 Gesängen, im Hexameter verfaßt. Der Hexameter war daran das eigentlich bemerkenswerte – eine Rhythmik, die den Text vorantrieb, ihn bis heute interessant macht, wenn man ihm die Chance gibt. Wahrgenommen wird der Verfasser aber als der Pietist, der er nicht war, reduziert um das, was nicht ins Bild paßte. Den Dichter überkommt aber vor allem die Sprache, eine Inszenierung, die so brav religiös, wie sie gelesen wurde, nicht ist:

„Jeder Gedanke, mit dem du dich selbst, o Erster, durchschauest,
Ist erhabner, ist heiliger, als die stille Betrachtung,
Auf erschaffene Dinge von dir hernieder gelassen”,

so Klopstock, bloß, daß die Klimax der Gottesrede etwas Maßloses gibt, das Heiligste im Blick des Heiligen, ein Exzeß, der genuin literarisch ist:

„(K)ein Mensch (,) selbst meine Frau nicht (,) selbst ich bisweilen nicht (,) kann meine Hand lesen. Denn ich mache bisweilen (,) wenn ich recht in der Arbeit bin (,) ganz u gar nur Züge statt der Buchstaben.”

Diese écriture automatique und das rhythmusnotorische Arbeiten an der Entfaltung dessen, was sich da sage, führt zu Verstößen gegen das, was, wenn es einmal klassisch ist, rasch klassischwar.

Dagegen wäre die Autorfunktion auch diese Dysfunktion, bei Klopstock gewiß eine Rettung, durch Relektüre. Daß diese glücken kann, als müßte es sie es da, zeigt sich sogar bei Shakespeare, dessen Verstöße wider die Metrik manche ausmerzen wollten; so in Hamlets Monolog von Sein und Nichtsein, worin vom „bare bodkin”, der Erlösung schaffen könne, die Rede ist. Klaus Reichert indes: „zwei unbetonte, zwei betonte Silben nebeneinander, in den betonten Silben hart aufeinanderprallend, unterstrichen durch den gleichen Anlaut.” Dieser Fehler samt Unterstreichung dürfte „Shakespeare an dieser prominenten Stelle kaum zufällig unterlaufen sein”. Mit einem solchen Befund beginnt alles, was bei Klopstock beginnen müßte…

… der Vortrag in voller Länge: beim 6. Bonner Humboldt-Preisträger Forum (Bonn, 12.10.2016 – 15.10.2016) und in einer geplanten Publikation. (Martin A. Hainz)

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