Fixpoetry

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Klaviatür

Redaktion: 

Bernd Leukert befragt auf faustkultur.de Christa Wisskirchen über ihre und andere Gedichte:

Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg, wie auch schon einmal in den 1920er Jahren, eine Neue Sachlichkeit, die bei solchen Fragen eine Rolle gespielt hat.

Christa Wisskirchen:
Ja, die Sachlichkeit als Antihaltung, als dann nicht mehr abgehoben und blumig, sondern konkret gesprochen wurde und Alltagsdinge wie das Butterbrot vorkommen durften. Aber das macht es nicht unbedingt aus. Es waren im Unterschied zu früher nun andere Dinge verboten, zumindest verpönt, eben der sogenannte hohe Ton in der Lyrik. Vielleicht kann man das vergleichen mit der gegenständlichen Malerei oder der tonalen Musik. Aber da könnte eine Täuschung vorliegen. Ich denke, so brutal oder rotzig sich ein Gedicht auch geben mag, es ist immer etwas von hohem Ton dabei, weil es eine Ausnahmesituation des Sprechens darstellt. Ob da die Gossensprache, die Amtssprache oder eine technische Terminologie vorkommt, finde ich zweitrangig. Es ist trotzdem hoher Ton. Ich gebrauche mal einen Vergleich: es versteht sich, dass Klavierstücke höchst unterschiedlichen Charakter haben können. Dennoch handelt es sich jedesmal um Klaviermusik.

In der faustkultur angeschlossenen Edition ist nun erschienen:
Christa Wißkirchen: Nach der Flut. Gedichte. Edition Faust, Frankfurt am Main 2016
 

Düne

Samtweiche Kuppe, kleines Geriffel am blauen Tag,
Windchen klein rührt die Gräser, und da
kleines Geriesel unten, flache Verrollung Verwischung
und wieder Stillstand. Was war das?
Ungeheures ist hier im Gang.
Du sagst: minimal, du sagst: Krümel-Translokation,
aber sahst du den drive, den drive, den das hat!
Drei Sandkörner wandern. So
fängt es an.

 

Leseprobe

 

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