Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

feldkircher lyrikpreis 2016 für Arnold Maxwill

Redaktion: 

Die Jury, Marie-Rose Rodewald-Cerha, Susanne Eules, Regina Hilber und Julian Schutting haben entschieden:  Der mit 1500 Euro dotierte feldkircher lyrikpreis 2016 geht an Arnold Maxwill. Mit dem zweiten Preis wurde Hartwig Mauritz ausgezeichnet. Die Verleihung fand heute im Theater am Saumarkt in Feldkirch statt.

Arnold Maxwill überraschte die Jury, indem er sich des  Date Painting-Konzepts des japanischen Künstlers On Kawara bediente,  Hartwig Mauritz‘ Gedichte überzeugten mit ungewöhnlichen Wortverbindungen und Bildern, welche über die Sprache hinaus wirken.

Zwei preisgekrönte Gedichte der Autoren stellen wir morgen und übermorgen als Texte des Tages bei Fixpoetry vor.

 

1. Preis: Arnold Maxwill  | Laudatio für Arnold Maxwill von Regina Hilber und Julian Schutting

Arnold Maxwill hat uns überrascht. Wie unterschiedlich auch maßgebliche ästhetische Normen für die einzelnen JuroInnen sein mögen, Qualitätsanspruch und Originalität der hier vorliegenden lyrischen Arbeit  haben uns gleichermaßen überzeugt. Der Autor ist das Risiko eingegangen, den der Lyrik zugteilten Raum zu verlassen und mit äußerster Konsequenz ein Konstrukt nach strengen Spielregeln zu Wort kommen zu lassen. Dabei hat sich Maxwill, ganz themenkonform (die diesjährige Themenvorgabe lautete: Von der Kalenderkante stürzt die Zeit), des stringenten Date Painting - Konzepts des japanischen bildenden Künstlers On Kawara bedient und das System von zeitlicher Dauer und räumlichen Aufenthalt in ein Gedicht transformiert.

Date Paintings nennt auch Arnold Maxwill sein eingereichtes Gedicht, das den Bezug zur bildenden Kunst nicht scheut. 

Das rigide durchgehaltene System ist in sich geschlossen, bleibt aber nach außen offen. Die darin enthaltenen Wort- und Begriffsschöpfungen sind punktuell gesetzte Miniaturausschnitte eines wiederkehrenden Zeitschemas, des Verstreichens von Stunden, Tagen und Monaten, aber auch des Augenblicks, der sofort wieder  "stürzen" muss, um ganz unserer Wahrnehmung von Zeit und Folge entsprechen zu können und die ihm zugedachte Verortung wieder aufzugeben. 

Um Vergänglichkeit und Fortlauf der zeitlichen Dauer zu unterstreichen, werden den Gedichtzeilen  in unregelmäßiger Abfolge am Rand Uhrzeiten zugeordnet.  Gegeben ist, notiert Maxwill:

GEGEBEN IST: der vierundzwanzigste Mai.
der neunzehnte November. gegeben ist:             10:01

                                                                                           14:23
Leinwand & Ummantelung.

Kein Anhalten, kein Ausharren scheint möglich. Unterwerfung und Verbeugung vor dem  Zeitfluss beherrschen das Klima dieser Sekundenabbilder. Selbst Verrichtungen unterliegen dem Diktat des hier werkenden und wirkenden Chronographen und werden so zur Körperlichkeit, enden als Stampiglien der einzelnen "Wortmeldungen". Das asketische Gebilde, von einem Nominalstil gestützt, erlaubt kein Wort des zu viel.

I GOT UP AT 9:36 A.M. schreibt Maxmill und fügt dem nichts hinzu.

Wir gratulieren Arnold Maxwill zu seiner experimentellen Komposition und verleihen ihm verdient den 1. Preis zum diesjährigen Feldkircher Lyrikpreis.

 

2.Preis Hartwig Mauritz | Laudatio für Hartwig Mauritz von Marie-Rose Rodewald-Cerha

Poesie ist doch, Dinge zu entdecken, die so, auf diese Weise noch nie gesagt worden sind, sich also der Alltagssprache entziehen. Das finden wir in den Gedichten von Hartwig Mauritz: Die ungewöhnlichen Wortverbindungen schaffen Bilder und wirken über die Sprache hinaus. Sie kommen leise daher und wirken im Moment, versetzen die Leser in nachvollziehbare, vielleicht bekannte Stimmungen und entlassen ihn wieder mit sanfter Hand. Melancholie ist Begleiter auf dem Weg in die Vergangenheit. Der Vater verbrennt die Reminiszenzen. Die  Erinnerung an harte Zeiten mit „steifen Brisen“ und „zäher Kälte“ wird verschwiegen. Nachts lässt sie einen schlaflos und führt „in den Höhlengrund“. Die Aufarbeitung will nicht gelingen. Der Autor jedoch „erforscht den Buchstabenbestand“ der väterlichen Bibliothek, da er „Quellcode seiner Sprache“ ist. Im 4. Gedicht ein verlassenes Haus als Sinnbild für Sterben und Vergehen – was bleibt, ist im Keller ein „Einmachglas“.

Polaritäten wie Licht und Dunkel, Kälte und Wärme wiegen schwer in einem Menschenleben – und die Enkel haben nichts gelernt und fügen „sich gegenseitig Wunden zu“. Mag sein, dass es sich um ganz persönliche Gedichte handelt, dennoch ist den Lesern das Geschehen vertraut und lässt sie versinken in die eigenen Erinnerungen mit der Ahnung: Das war, das ist das Leben.

Das hat die Jury überzeugt und wir gratulieren Hartwig Mauritz ganz herzlich zum 2.Platz beim Feldkircher Lyrikpreis.

 

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2016



November 2016



Oktober 2016



September 2016



August 2016



Juli 2016



Juni 2016



Mai 2016



April 2016



März 2016



Februar 2016



Januar 2016