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Deadlines für Wahnsinn

Redaktion: 

Die Ausgabe 06/2017 der Zeitschrift Expressionismus wird sich um das Thema Wahnsinn spinnen. Herausgegeben wie immer von Kristin Eichhorn und Johannes S. Lorenzen im Neofelis Verlag. Hier der entsprechende Call for Papers:
 

Nicht nur als radikalster Gegenentwurf zur bürgerlichen Kultur, sondern auch als ein Hauptmerkmal expressionistischer Ästhetik an sich kann die überaus vielschichtige und über alle Kunstformen hinweg auftretende Thematisierung von psychischen Extremzuständen und Geisteskrankheit angesehen werden. Nachdem um die Jahrhundertwende herum die Psychoanalyse den Begriff des Unbewussten prägte und damit einhergehend Gesellschaft, Individuum und Sexualität unter gänzlich neuen Prämissen dachte, beschäftigte sich der nur wenig später aufkommende Expressionismus in Kunst, Literatur und besonders dem neuen Medium Film mit psychischen Vorgängen, sexueller Motivik, Traum- und Rauschzuständen und Sigmund Freuds Überlegungen zu „Ich“ „Es“ und „Über-Ich“. Aber auch der „Irre“ und seine scheinbar unverstellte und nicht genormte Wahrnehmung von Welt und Subjekt sowie sein Außenseiterstatus in der Gesellschaft des Kaiserreichs sind besonders in bildender Kunst und Literatur häufig vorkommende Bilder und Konzepte.
Von dem bewusst zugespitzten Stichwort ‚Wahnsinn‘ ausgehend möchte die sechste Ausgabe von Expressionismus nicht nur die Darstellung und Funktion psychischer Krankheiten in expressionistischer Kunst behandeln, sondern auch breiter die Frage stellen, welche Theorien für die Diskussion generell leitend sind. U.a. wäre auch zu berücksichtigen, dass die Kunsttheorien im Unterschied vor allem zum Naturalismus die Erklärbarkeit menschlichen Verhaltens anhand von festen Psychogrammen ablehnen, ihr Fokus aber deshalb umso mehr psychischen Vorgängen und Anomalien liegt.
Die Beiträge können einerseits Darstellungskonventionen von Wahnsinn und Geisteskrankheit in Literatur und bildender Kunst als auch im Film betreffen. Andererseits sind sozialgeschichtliche und diskurstheoretische Fragestellungen denkbar sowie Beiträge zur Psychiatriegeschichte, die die Basis beleuchten, auf der die expressionistische Ästhetik beruht. Auch psychoanalytische Fragestellungen zur Aufnahme der Topoi und Bilder aus Sigmund Freuds Theorien in Literatur und Kunst sind willkommen.

Abstracts zu diesen, aber gerne auch anderen Themen von nicht mehr als 2.000 Zeichen sind bis zum 1. Januar 2017 an eichhorn@neofelis-verlag.de und lorenzen@neofelis-verlag.de zu senden. Zudem werden unabhängig vom Thema des Hefts auch immer Vorschläge für Rezensionen oder Diskussionsbeiträge zu aktuellen Forschungsdebatten entgegengenommen, die Phänomene der aktuellen Expressionismus-Rezeption vorstellen und besprechen.
Die fertigen Beiträge sollen einen Umfang von 20.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fußnoten) nicht überschreiten und sind bis zum 1. Juni 2017 einzureichen. Das Heft erscheint Anfang November 2017.

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