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Ulrich Zieger: Die Werkstatt

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Ulrich Zieger: * 29.12.1961 in Döbeln, † 23. Juli 2015 in Montpellier. Zahlreiche Publikationen, darunter Der Kasten (Roman), Der zweifelhafte Ruhm dreier Dichter (Prosa), Immerwährende Hanglage (Dramatik), neunzehnhundertfünfundsechzig (Lyrik; alle Druckhaus Galrev, Berlin). Zuletzt erschienen: Aufwartungen im Gehäus (Lyrik), Edition Rugerup, Berlin, Hörby 2011 sowie Durchzug eines Regenbandes (Roman), S. Fischer, Frankfurt/Main 2015.

Diese Ausgabe erscheint anlässlich des 55. Geburtstages Ulrich Ziegers, mit freundlicher Genehmigung der Editions Grèges und der Erben. Der Verlag dankt herzlichst Egmont Hesse.

Gestaltung des Einbands: rag, Wien
(unter Verwendung einer Zeichnung des Autors – Portrait von Pascal Gille)

1. Auflage 2016, 55 Exemplare
ISBN 978-3-941330-45-0, 15 Euro

Eine Buchbinderwerkstatt diente dem Autor dieses Buches als Herberge und Rückzugsgebiet, zwei Sommer und zwei Winter; das Werkzeug, aus einer anderen Zeit stammend, stiftete Erdung und Zukunft für die entstehenden Texte – Versprechen und Halt zugleich. Nun bekommen die Texte eine neue schützende Hülle: 55 Umschläge für 55 Bücher, am 29.12.2016 55 Jahre schwer.
Ihre Bindung haben die Bücher in Frankreich erfahren – „der Rest war weiter draussen“. Die Gedichte hält die „stärkere Stimme“ des Dichters zusammen, der uns in vielen Rollen begegnet, als „Freier unter Fängern“, „tanzender Derwisch“, „König Kanaille“ oder „Bote, Kurier“, auch wenn Linien und Schritte, die die Struktur des Bandes erzwingen, über die Ränder des Bildes, des Raumes (der Werkstatt) hinausstreben: in der Hoffnung auf ein „waches Gespräch“, das nicht zerrinnen kann in der „Tristesse der Terrassen“, der Austauschbarkeit von Himmel und Hölle.

„Es war manches zu tun, / eingebettet in zähes und rasselndes Warten“, vor allem: weiter zu beharren trotz der Verstörung, der Tode, der betrunkenen Winter – im unermüdlichen Umkreisen der „unerlösten Themen“, das Übrige zu ordnen, zu trennen auch. Die Adressaten: verschwiegene Leser, tote Sänger, eine alte Malerin, Michel de Montaigne, Mnemosyne oder die Bremer Stadtmusikanten. Noch künden die Texte von ermahnter Nähe und ertrotzter Anwesenheit, aber die Ahnung weist schon voraus: „bald muss ich samt meinem Schatten hinweg springen“ – auch über den Totpunkt. Die Zeugenschaft dieser stets unaufgehobenen Bewegung überlassen uns die Gedichte – „bin ich der Läufer der sich auf der Ziellinie selbst überholte“ – als Orientierung und „Überdauerndes“.

Kristin Schulz

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