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Poesiealbum Michael Hamburger

Redaktion: 

Neu in der unvergessenen Reihe Poesiealbum: Heft Nr. 329 mit Gedichten von Michael Hamburger.

Michael Hamburger, geboren in Spreeathen, mit neun Jahren ins Wasser der Themse geworfen, erlernte schnell die Landessprache, und erlangte – eingebunden in Schule, Universität und Armee – eine englische Identität und konnte so englischer Dichter werden. Seine deutschen Wurzeln waren noch stark genug, um auch als Übersetzer und Kulturvermittler zu wirken — ein Glücksfall für die deutsche Literatur.
Auswahl: Walter Eckel

Relikte

Vier mutterschafe, die zeit der lämmer hinter sich,
Keinen widder mehr zur seite, weiden
Die koppel ab – sumpfland einst, dann wiese;
Geschoren, sind sie’s nicht der wolle wegen,
Sondern weil die pensionisten diesen pensionierten
Die hundstage erträglich machen wollen, ihnen kühlung gönnen,
Sie fühlen ihnen sich verbunden, nur so,
In dankbarkeit.

Mittsommerzeit, die niedrig stehende sonne
Des morgens, des abends mischt ihr gold
Ins grau der verwitterten vollen vliese;
Und das dorf, das es einst war,
Genügsam, sich abmühend in liebe,
Harrt aus, solange sie noch grasen.

Nachdichtung: Reiner Kunze

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