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Labor Collage

Redaktion: 

Ab Ende Juni 2017 wird das Bilderbuchmuseum Troisdorf seinen Besuchern ein neues Ausstellungsformat präsentieren: LAB steht für das Kürzel "Labor" und versteht sich als forschendes, experimentelles Ausstellungskonzept, das die Berührungen und Überlagerungen von Bildener Kunst und Bilderbuchkunst an konkreten Beispielen untersuchen wird. Es soll nachgespürt werden, mit welchen künstlerischen Konzepten und in welchen kulturellen Kontexten sich bildene Künstler und Bilderbuchkünstler in Vergangenheit und Gegenwart dem Medium Bilderbuch gewidmet haben.

Den Auftakt zum neuen Ausstellungsformat macht die Collagekünstlerin Hannah Höch mit ihrem dadaistisch gestalteten "Bilderbuch". Zwar entwarf sie ihr Buch erst 1945, künstlerisch verweist es aber zurück in die früheren Jahre des 20.Jahrhunderts. 2008 wurde das "Bilderbuch" dann erstmals publiziert (The Green Box, Berlin).

In ihrem Nachwort zum Bilderbuch schreibt Gunda Luyken: „Als Gegengewicht zur grauen Nachkriegszeit entwickelte Höch in 19 Collagen und begleitenden Texten eine fantastische Welt, die von märchenhaft exotischen Pflanzen und Tieren bevölkert ist. Menschen spielen darin keine Rolle, sieht man von dem Baby ab, das aus einem der Eier schlüpft, die Madame Emmchen um sich versammelt. ... Obwohl auch Höch stets von ihrem Bilderbuch sprach, sind die Texte ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Für jede der Collagen ersann die Künstlerin kurze feinsinnige Reime, die Geschichten anreißen und an die Verse von Joachim Ringelnatz oder Christian Morgenstern denken lassen. Ihren koboldhaften Wesen gab sie mit Santaschwebe, Borstenfl irle, Unzufriedel oder Rennquicke ureigene Namen. Obwohl Höch in Bildern und Worten eine fantastische Welt zaubert, ist diese nicht frei von menschlichen Schwächen wie Unzufriedenheit oder Streit, den beispielsweise das Ehepaar Langfransen austrägt. Trotzdem zeichnet das Bilderbuch eine Heiterkeit und Unbeschwertheit aus, die der Philosoph und Schriftsteller Salomon Friedländer auch der Künstlerin selbst attestierte: ‚Im Grunde genommen bist Du ein fabelhaftes und wunderbares Mädchen ­ und wer dich nicht begreift, muss ein läppischer und vollkommen unmöglicher Bursche sein. Und wer dich begreift? Der ist ein Kind, Dir gleich.’“

Die bevorzugte bildnerische Arbeitsweise von Hannah Höchwar immer die Collage. So nutzte sie das Trennen und Zerschneiden vertrauter Motive und das Zusammenfügen fremder Teile zu überraschenden, irritierenden oder komischen Gebilden und schuf implizit eine besondere Nähe zum Bilderbuch, das schon früh dazu tendierte, merkwürdige und zugleich humorvolle, lustige Bildangebote für Kinder bereitzustellen.

Ab wann die collagierte Illustration im Bilderbuch selbst Fuß fasste und in welcher Vielfalt sie sich bis heute zeigt, soll anhand der ausgewählten Ausstellungsexponate veranschaulicht werden. Dazu gehören außergewöhnlich seltene Bücher aus der Sammlung Friedrich C. Heller sowie berühmte Namen wie Kurt Schwitters, Leo Lionni oder Eric Carle.

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