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Fußnoten aus Java

Redaktion: 

Bild vom Krater Gunung Guntur, 1853.

Tilman Krause erinnerte die Tage in der WELT an den 250. Geburtstag von Wilhelm von Humboldt und an dessen Streben, die Welt zu bereichern, indem er sich entdeckt, wie er sie entdeckt. „Bilde dich selbst und dann wirke auf andere durch das, was du bist.“ – ein Ratschlag, den die Mitglieder der Generation Y sicher unterschreiben würden, nur daß Entdeckergeschichten heute eher in Winkeln und Nischen stattfinden, denen die Größe des „Weltentdeckenden“ heruntergebrochen wird auf Kapselkenntnisse und Blasenlikerei.

Von daher hier der Hinweis auf eine vielleicht interessante Spur: Weltentdeckung old style wie sie der deutsche Forscher Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864) zwischen 1836 und 1848 unternahm, als er diverse Expeditionen auf Java im Dienst der holländischen Kolonialarmee durchführte. Er gehörte zu den ersten Europäern, welche die vielen Vulkane der Insel erklommen. Seine Aufsätze, Bücher, Karten und Lithographien machten ihm zum „Humboldt von Java“.

Zu seinen ergreifendsten Schilderungen gehört ein Bericht vom Rand eines Kraters, wo er 1848 die Nachrichten von der gescheiterten Revolution in Frankreich erhält. In seiner Erzählung überlagert sich die Erklärung der Naturgewalten mit der Frage nach den Gründen für historische Verwerfung. Im Geist der Aufklärung entwickelt Junghuhn ein Weltbild, das die Bedingung seiner eigenen Forschung – die Kolonialherrschaft und die Missionierung – kritisch reflektiert.

Philip Ursprung: Fussnoten aus Java. Auf den Spuren des Naturforschers Franz Junghuhn.
Öffentliche Veranstaltung  der ENTRESOL (im Rahmen des Lehrgangs in Philosophie „Praktiken der Aufklärung“) am Fr, 07. Juli 2017, 19:00 Uhr in der Helferei Großmünster

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