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Unzeit statt Eden

Redaktion: 

Sandra Pfister bespricht im Deutschlandfunk das neue Buch des Soziologen Pankaj Mishra. Der öffnet interessante Perspektiven auf ein Versagen der Versprechen und Verheißungen der Moderne, z.B. auf  das "[...] Missverhältnis zwischen persönlichen Erwartungen, verschärft durch einen traumatischen Bruch mit der Vergangenheit, und der grausam unerbittlichen Realität langsamen Wandels. Die Menschen waren in der Theorie vom Stillstand der Tradition befreit worden, damit sie ihre Fähigkeiten entfalten, sich frei bewegen, ihren Beruf wählen [...] konnten. Aber die meisten Menschen mussten erkennen, dass Individualismus und soziale Mobilität sich in der Praxis nicht verwirklichen ließen."

Sandra Pfister weiter:
„Das Versprechen – in einer aufgeklärten Marktwirtschaft kann jeder etwas aus sich machen – schürte hohe Erwartungen; Erwartungen, die viele nicht erfüllen konnten. Deren Enttäuschung und Selbsthass hätten früher traditionelle Puffer wie Familie oder Religion abgefedert; aber diese waren nun selbst geschwächt. Das führte regelmäßig zu Revolten, Aufständen, heute würde man sagen: Terrorismus. Der Westen, argumentiert der Autor, habe diese blutige, brutale Initiation in die politische und ökonomische Moderne längst verdrängt; stattdessen versuche er rechthaberisch, dem Rest der Welt genau diese Richtung als die allein seligmachende vorzuschreiben.“

Pankaj Mishra: "Das Zeitalter des Zorns - Eine Geschichte der Gegenwart". S. Fischer Verlag, 2017

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