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twen & Regenbogenreihe

Redaktion: 

In Regenbogenfarben aufgeschichtete suhrkamp-Tbs (Quelle: Museum Villa Stuck)

Wie kein Zweiter hat Willy Fleckhaus die visuelle Kultur der jungen Bundesrepublik von den 1960er- bis 80er-Jahren geprägt und damit maßgeblich zum Paradigmenwechsel im internationalen Grafik- und Werbedesign beigetragen. Fleckhaus verschmolz die Ratio der Schweizer Grafik mit der Phantasie des amerikanischen Editorial Design und wurde damit international zum Vorbild für wenigstens eine Generation von Zeitschriften- und Buchgestaltern, Werbeleuten und Fotograf/innen. Als Willy Fleckhaus zu gestalten begann, wurden Zeitschriften von Einrichtern, bestenfalls Grafikern betreut, die im Impressum der Magazine keine besondere Würdigung fanden. Als Fleckhaus mit nicht einmal 60 Jahren verstarb, war die „Art Direction“ zum festen Begriff und zur gehobenen Position im Prozess der Herstellung geworden. Willy Fleckhaus hat diesen Paradigmenwechsel maßgeblich mitherbeigeführt. Er hat den Begriff des Art Directors importiert und popularisiert, mit Leben erfüllt und damit das Modell einer für alle Fragen der Optik zuständigen Verantwortlichkeit etabliert.

Fleckhaus war auf praktisch allen Gebieten visueller Kommunikation tätig. Er hat Zeitschriften und Bücher gestaltet, Buchreihen und Umschläge konzipiert, Plakate und Signets genauso wie Kataloge und Festschriften entworfen, er hat Erscheinungsbilder und Firmenbilanzen betreut. Fleckhaus war als Berater tätig, hat Vorschläge für das Redesign von Tageszeitungen erarbeitet und Ausstellungen gestaltet. Seine herausgehobene Position und die damit verbundene Machtfülle wurde jedoch auch nicht unkritisch gesehen. Nicht ohne Grund nannte man Willy Fleckhaus den „teuersten Bleistift Deutschlands“. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Entwürfe für die Buchreihen des Suhrkamp Verlags, die Bibliothek Suhrkamp (ab 1959), die edition suhrkamp (ab 1963), bekannt als „Regenbogenreihe“, und die Reihe suhrkamp taschenbuch. Weiter war er gestalterisch verantwortlich für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Logos der Zeitschrift Quick, der Aktion „Ein Herz für Kinder“ und des WDR wurden ebenfalls von Fleckhaus entworfen.

Zu seinen ikonischen Arbeiten, die heute einen Teil unserer visuellen Alltagsgeschichte darstellen, gehört die 1959 gegründete Jugendzeitschrift twen (1959 - 1971), die in Form und Inhalt die innovativen, provokanten und revolutionären Ideen von Willy Fleckhaus widerspiegelt. Gestaltet mit großen Fotostrecken, einprägsamer Typografie und ungewöhnlichem Layout widmete sich twen Life-Style-Themen wie Mode, Musik und Freizeit, aber auch Fragestellungen zur sexuellen Befreiung und Homosexualität oder politischen Themen wie Antisemitismus.

Die aktuelle Ausstellung im Museum Villa Stuck entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst Köln und dem Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, Kurator: Hans-Michael Koetzle

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