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Maya Derens Voodoo

Redaktion: 

Pünktlich zum hundersten Geburtsjahr der Künstlerin und nach Jahrzehnten nun auch in Deutsch erhältlich: Maya Derens Reportage über die Voodoo Religion in Haiti.

In der haitischen Voodoo-Religion treffen sich die Götter zum kosmischen Tanz der Archetypen. Dieser Tanz erstreckt sich vom Himmel über die Erde bis in die Unterwelt, in deren Abgründen – analog zur menschlichen Psyche – Licht und Schatten nebeneinander existieren. Maya Derens bahnbrechendes Buch aus dem Jahr 1951 beschreibt das Innere dieser Religion zum ersten Mal für ein westliches Publikum. Zum hundertsten Geburtstag der Autorin erscheint es nun neu in deutscher Übersetzung.

1947 reiste die junge amerikanische Regisseurin Maya Deren nach Haiti, um einen Film über die örtlichen Tänze aufzunehmen. Doch je tiefer sie in die Materie des haitianischen Voodoo eindrang, desto mehr wandelte sich ihre Arbeit zu einer Beschäftigung mit den religiösen und philosophischen Wurzeln der Rituale. Deren erkannte die widerständige Kraft dieses „geheimen“ Glaubens, der in der Geschichte immer wieder Aufstände anführte, die schließlich die frühe Unabhängigkeit von Haiti im Jahr 1804 erzwangen. Die Filmemacherin interpretierte ihre Rolle auf Haiti im Zuge ihrer Erfahrungen nun neu: Nicht das Kunstwerk stand im Vordergrund, sondern die im Kosmischen verankerte Lebensweise der schwarzen haiti­anischen Bevölkerung. Statt ihren Film fertigzustellen, ging Deren im September 1951 daran, ihre Beobachtungen in einem Buch niederzuschreiben, das heute noch eine der wesentlichsten Studien zu dieser Religion darstellt.

Still aus "Divine Horsemen"

Für Deren ist es gerade ihre Position als Künstlerin, die sie tiefer als jede Forscherin hinter die Masken des Voodoo blicken lässt. Und sie macht Parallelen aus zwischen den Ausgebeuteten der Kulturindustrie und den Nachfahren der Sklaven auf Haiti: „Auch wir werden von professionellen Kritikern falsch dargestellt und sind Opfer eines spirituellen Imperialismus; unsere heiligsten Kulturschöpfungen werden als Hinterhofkunstwerke plagiiert, man schnüffelt in unseren Lebensläufen herum, unsere Psyche wird analysiert, und wenn jedermann nach seinem Belieben sein Vergnügen an uns hatte, werden wir aus unseren Heimatgebieten vertrieben, unsere bescheidenen Wohnungen erklärt man für baufällig und ersetzt sie durch einen chromglänzenden Wolkenkratzer.“ Überzeugt von der grundlegenden Verbindung zwischen ihr und ihrem Forschungsgegenstand gelang es Deren, die Riten und Regeln, die Tänze und das Wesen des Voodoo detailliert und mit großer Sympathie darzustellen. Somit verstand sie sich als Intellektuelle, die den Unterdrückten und ihrer Kulturwelt eine Stimme verleiht.

Maya Deren: Der Tanz des Himmels mit der Erde. Die Götter des haitianischen Voodoo. Promedia 2017.

Divine Horsemen (gefilmt 1947-1051 in Haiti)

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