Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

New York 1972

Redaktion: 

»Jürgen Becker. New York 1972« ist ein sechswöchiges Ausstellungsprojekt, das vom 11.08. bis 24.09.2017 im Museum für Photographie Braunschweig gezeigt wird.

Es stellt erstmals umfassend und auf musealer Ebene eine fotografische Bildserie vor, die der renommierte und mit vielen Preisen – darunter u.a. der bedeutende Georg-Büchner-Preis –  ausgezeichnete Schriftsteller Jürgen Becker (*10. Juli 1932, lebt in Köln und im Bergischen Land bei Köln) 1972 in New York aufnahm. Mit dem Projekt ehrt das Museum für Photographie Braunschweig den Schriftsteller zu seinem 85. Geburtstag.

Die Serie wurde von seinem Sohn, dem Fotokünstler Boris Becker (*1961) vor einigen Jahren wiederentdeckt und als Buch in dem von ihm gegründeten SPRUNGTURM-Verlag 2012 publiziert. Aus dem umfangreichen Konvolut der 1972 entstandenen Bilder werden in der Ausstellung im Museum für Photographie Braunschweig ca. 90 Arbeiten gezeigt.

Sie stellen ein bislang weitgehend unbekanntes Segment des künstlerischen Interesses und Schaffens von Jürgen Becker vor und richten sich an ein Publikum, das nicht nur an der Fotografie, an der Geschichte der deutschen, amerikanischen- und der ‚Street-Photography’, sondern auch an der Literatur und am Film interessiert ist. Diese Aspekte verbindend, sind innerhalb der Laufzeit der Ausstellung besondere Vermittlungsprojekte in Ergänzung zu den allgemeinen Vermittlungsangeboten geplant.

Zur Entstehung der Bildserie:
Organisiert vom Goethe-Institut befand sich Jürgen Becker 1972 auf einer zweimonatigen Lesereise durch die USA und Kanada. Im Anschluss an diese blieb er einige Zeit in New York, wo ihm der befreundete und zu dieser Zeit in New York lebende Schriftstellerkollege Max Frisch die Aufenthaltsmöglichkeit in einem Apartment eines Universitäts-Professors vermittelte.

Mit einer Rollei 35 – ein historisch spannender Bezug zu Braunschweig als ehemalige Produktionsstätte des Unternehmens wird hier eröffnet und auch die Originalkamera wird ausgestellt – erkundete und dokumentierte Jürgen Becker bildnerisch den Stadtraum, hielt die „täglichen Gänge durch die Stadt in einer Art von visuellem Tagebuch fest“ (Jürgen Becker). Dieses stellte für ihn eine andere Möglichkeit als das Schreiben dar und wurde bewusst zu einem Mittel, Erzählweisen und Wahrnehmung ohne Wörter als eigene „Geschichten des Sehens“ mit konzeptueller Konsequenz umzusetzen.

Schon zuvor hatte sich der Schriftsteller mit den konzeptuellen und bildnerischen Möglichkeiten der Fotografie beschäftigt und neben seinen Texten, die in dieser Zeit entstanden, an fotografischen Serien gearbeitet. Unter dem Titel „Eine Zeit ohne Wörter“ erschien beispielsweise 1971 im Suhrkamp Verlag ein Fotobuch zu Bildserien.
Da der Suhrkamp Verlag sich nicht dafür interessierte, die Fotografien aus New York ebenfalls zu publizieren, verschwanden diese bis zu ihrer Wiederentdeckung durch den Sohn auf dem Dachboden. Die konzeptuell konsequente Qualität der Bilder-Serie „New York 1972“, ihre erzählerisch eigenständige, kompositorisch überzeugende und dabei kunsthistorisch im Kontext der Fotografiegeschichte – etwa im Vergleich zu Walker Evans, Lee Friedlander, Robert Adams, Robert Frank u.a.m. – zu betrachtende Bedeutung, stellt die Motivation dar, das Projekt im Museum für Photographie Braunschweig zu zeigen.

Einmal mehr möchte das Museum damit auch übergreifende Diskussionsgrundlagen zur Fotografie im Kontext einer kulturell mehrschichtig signifikanten und historischen Betrachtungsmöglichkeit vorstellen und sicherlich auch neue Besuchergruppen neugierig machen.

Die Sonderedition zur Ausstellung / Jahresgaben Jürgen Becker findet sich hier. Weitere Informationen zu Jürgen Becker u.a. hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2017



November 2017



Oktober 2017



September 2017



August 2017



Juli 2017



Juni 2017



Mai 2017



April 2017



März 2017



Februar 2017



Januar 2017