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Schon für März angekündigt und nun mit etwas Verspätung doch greifbar: Die Krise der messianischen Philosophie / von Oswald de Andrade

Der Brasilianer Oswald de Andrade war sein Leben auf der Suche nach einem Weg, europäische Literaturen und Philosophien nicht zu rezipieren – sondern zu verschlingen. Seine »Krise der messianischen Philosophie «wagt eine ebenso poetische wie humorvolle und respektlose ›kannibalische‹ Aneignung der ›messianischen‹ Kultur der europäischen Kolonisatoren: Ein Karneval der Lektüre, auf dem die westliche Geistesgeschichte zum Tanz aufgefordert und so lange durcheinandergewirbelt werden soll, bis sie zusammenbricht – damit andere sich an ihr laben können.

 

»Während der westliche Mensch die Kategorien seines Wissens auf der fundamentalen axiologischen Skala bis zu Gott als dem höchsten Gut aufsteigen ließ, richtete der Primitive seine Skala auf Gott als dem höchsten Schlechten aus. Dieser begriffliche Widerspruch bringt einen radikalen Widerspruch im Verhalten hervor.
Und all das hängt mit der Existenz von zwei Hemisphären zusammen, die die Geschichte in Matriarchat und Patriarchat unterteilen. Auf der einen Seite liegt die Welt der Primitiven. Auf der anderen die der Zivilisierten. Jene brachte eine anthropophage, diese eine messianische Kultur hervor.« Oswald de Andrade

 

Oswald de Andrade, geboren am 11.1.1890 in São Paulo, studierte zunächst Jura und lernte auf einer Europareise den italienischen Futurismus kennen. Er war mit seinem Namensvetter Mario de Andrade einer der führenden Initiatoren der berühmten „Woche der modernen Kunst“ im Jahre 1922, von der die später sogenannte „Anthropophagie-Bewegung“ ihren Ausgang nahm. Das Programm, dokumentiert u.a. in den beiden jetzt neu übersetzten Manifesten, proklamierte eine radikale Abkehr von der portugiesisch bestimmten Kultur in Brasilien.
Oswald de Andrade schrieb Theaterstücke, Lyrik und Prosa (die wenigen übersetzten Zeugnisse, darunter auch die beiden Manifeste, erschienen verstreut in Anthologien), war vor allem aber durch seine witzigen Provokationen bekannt und wird mittlerweile als einer der originellsten Autoren Brasilien anerkannt.
Oswald de Andrade starb am 22.10.1954 in São Paulo.

Oswald de Andrade: Die Krise der messianischen Philosophie. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Oliver Precht und Marcus Coelen. Verlag Turia + Kant.

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