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Forderungen zur Stärkung der Lyrik veröffentlicht

Redaktion: 

Das Haus für Poesie  in Berlin gibt bekannt:

Erstmals wurden Richtlinien veröffentlicht, die angemessene Honorare und Arbeitsbedingungen für Lyrikschreibende und -vermittler schaffen sollen. 19 Festivals, Institutionen, Dichterinnen und Dichter sowie Übersetzerinnen und Übersetzer aus ganz Deutschland haben Aufgaben zur Stärkung der Lyrik formuliert und Forderungen an die Politik erarbeitet. Die Grundlage dafür ist eine durch das Haus für Poesie im Mai veröffentlichte Studie, die zeigt, dass viele Dichterinnen und Dichter in Deutschland prekär oder unter der Armutsgrenze leben und arbeiten.

Die wichtigsten Punkte sind:

1. Lyrik ist als eigenständige Kunstform anzuerkennen

Wer Gedichte liest oder hört, erlebt nicht nur einzigartige Welten aus Bildern, Rhythmen und Klängen. Die Beschäftigung mit dem Gedicht ist zugleich eine genuine Auseinandersetzung mit der Welt. Anders als bei der Prosa werden mit dem Gedicht sprachliche Formen und Ästhetiken als autarke Erkenntnismodelle entwickelt und erprobt. Das poetische Denken folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Es eröffnet abweichende, auch radikale Erfahrungsräume.

2. Deutliche Erhöhung der Veranstalterbudgets für adäquate Auftrittshonorare

Die Studie ergab: Auftrittshonorare bilden die zentrale Einnahmequelle der Dichterinnen und Dichter im Rahmen ihrer schriftstellerischen Tätigkeiten. Mit 42 Prozent sind sie dreieinhalb Mal so hoch wie die Einnahmen aus Buchpublikationen (12 Prozent). Dabei liegt bei 73 Prozent der Befragten die Höhe des durchschnittlichen Honorars pro Lesung bei oder unter 350 Euro.

Veranstalter sollen sich an einem Mindesthonorar von 500 Euro pro Lesung orientieren, um die ökonomische Situation von Dichterinnen und Dichtern zu verbessern. Nur durch eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel für die Lyrikveranstalter kann dies ermöglicht werden.

3. Stipendien und Preise müssen grundlegend umstrukturiert und Vergabegremien auch mit Kennern von Lyrik besetzt werden

Ein unverzichtbarer Bestandteil jedes schriftstellerischen Einkommens sind Preise und Stipendien. 21 Prozent ihrer Einnahmen erhielten die Befragten aus diesem Segment. Um die finanzielle Situation der Dichterinnen und Dichter zu verbessern, muss daher die Dotierung von Preisen und Stipendien erhöht werden. Auch müssen spezielle Stipendien und mehr Preise für Lyrik ausgeschrieben und die entsprechenden Jurys endlich mit Lyrikkennern besetzt werden. Außerdem bedürfen die Vergabekriterien einer Überarbeitung; das betrifft beispielsweise Altersgrenzen oder zeit- und ortsgebundene Aufenthaltsstipendien.

Es soll unter anderem ein Lyrikpreis von nationaler Bedeutung geschaffen werden, um die Dichterinnen und Dichter zu würdigen und die große Rolle des Gedichts zu betonen. Vergleichbare Preise gibt es bislang vor allem für Prosa, speziell für Romane etwa den durch die Verlagswirtschaft finanzierten „Deutschen Buchpreis“. Das Plenum spricht sich für einen staatlich gestützten und finanzierten Lyrikpreis aus, der in mehreren Sparten vergeben wird (z.B. Gedicht, Lyrikübersetzung, Lyrikveranstaltung, Lyrikkritik) und der mit verschiedenen Veranstaltungsformaten verknüpft wird.

Der Forderungskatalog und die Studie wurden Anfang September politischen Entscheidungsträgern zugesandt.

Die Forderungen wurden von einem Plenum aus Dichter*innen, Übersetzer*innen, Veranstalter*innen und Förderinstitutionen aufgestellt, das dazu im Mai 2017 getagt hat. Das nächste Treffen findet am 17. und 18. November statt.

Ermöglicht wurden die Studie und die Konferenz durch die Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur.

Forderungskatalog und Studie zum Download 

 

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