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"Klar Schilf zum Geflecht"

Redaktion: 

Am 24.10., um 18 Uhr in der Alten Schmiede, richtet Peter Rosei den Fokus auf den Lyriker Hermann Schürrer und die 1984, zwei Jahre vor dessen Tod erschienene Gedichtsammlung Klar Schilf zum Geflecht. Das ABC von A-Zet.

Roseis Ankündigungstext sei hier als Einstimmung auf den Abend wiedergegeben:
»Später kommt Schürrer mit nassen Socken, einer Notiz auf einer Dreierschachtel und dem Bewusstsein, Österreichs bedeutendster Lyriker der Gegenwart zu sein«, beschreibt Günther Brus eine Szene in der heute nicht mehr bestehenden Weinhalle Zum Grenadier, und weiter: »Schürrer warf eine Faust voll Idiotismen auf den Tisch.« Schürrers Lyrik kannten die wenigsten, dabei hatte er 1970 einen ersten Band vorgelegt, »Der kleinere Teil einer größeren Abrechnung«, daneben auch Prosatexte, alle aber kannten den Freak im verstunkenen Wintermantel, den Outlaw mit der ewigen Bierflasche in der Hand. Schürrer – der Apoll mit der defekten Leier? Zum Apoll braucht es wohl keine Erklärung, vielmehr aber zu dieser ganz speziell gestimmten Leier. 1984, zwei Jahre vor seinem Tod, erschien dann der Monumentalband »Klar Schilf zum Geflecht«, der alle lyrischen Texte Schürrers versammelte, und auf den wir uns hier beziehen wollen: »Schäk händs!«, wie Schürrer so gern sagte.

Hermann Schürrers Yankee-Doodle, Erstausgabe. freibord 1981.

Hermann Schürrer, *1928 in Kohlgrube/Wolfsegg (OÖ). Vater Bergmann.
»Mit 15 ½ Jahren Luftwaffenhelfer (8,8 cm FLAK in Linz/ VOEST, damals die Hermann Göring Werke, Befehlsverweigerung, Versetzung in andere Batterie. Hörte zum ersten Mal vom Hauptmann von Köpenick, war sehr beeindruckt. Schwierigkeiten mit dem Hauptmann, weil ich Wilhelm Busch las und realisierte. Versetzung in andere Batterie, 6 km Richtung Mühlviertel. Ich brauchte für diesen Weg drei Tage, da ich drei Tage in Linz blieb. Gefängnis. […] Machte im Kuchelauerhafen/Wien die Offiziersprüfung. Fiel durch, wahrscheinlich weil ich als meine Vorbilder Cäsar und Catalina anführte, nicht Armin den Cherusker und Hitler. Die Einberufung zur Kriegsmarine erhielt ich im April 1945. Ich fuhr erst gar nicht mehr an die Nordsee. […]
Realgymnasium unbefriedigend = glaubte noch an die totale Aufschlüsselung und Beantwortung aller Fragen. […] Wollte Philosophie studieren. 1951 in Wien. Zuerst Geschichte und Psychologie, hörte Philosophie. Frustrierend. Dann Englisch und Germanistik. Studierte dann Jus. Ebenso frustrierend. […] Ich beschloß, ausschließlich Gedichte zu schreiben, um kein Geld zu verdienen. Arbeitete für 4 Schilling pro Stunde bei einem Werbegrafiker, Drahtpuppen lötend und Mosaiksteinchen legend (für die Stadthalle) etc. Lebte in Kaffeehäusern, Konflikte mit der Polizei, Amtsehrenbeleidigungen, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Psychiatrie, Irrrenhaus. Summa: 2 Jahre Gefängnis + 2 Jahre Irrenhaus. Aus Irrenhaus zum Schluß wegen Unbelehrbarkeit nach 11 Tagen entlassen. […] Aus der Gefängnisbibliothek las ich im Gefängnis: »Die französische Revolution« von Kropotkin. Seither ist mein akademisches Weltbild nur mehr ein Comic strip, da ich Schulfakten und akademische Interpretationen mit Fakten konfrontiere. Da bleibt kein Auge trocken.« (aus Hermann Schürrer: Lebenslauf).

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