Fixpoetry

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Wortewagen

Redaktion: 

John Keats in 1819, gemalt von seinem Freund Joseph Severn

Einen interessanten Beitrag als PDF nachzulesen gibt es beim Deutschlandfunk: Uta Rüenauver „Schüchternheit und Literatur - Zaudern, zagen, Worte wagen.“
Angeregt durch die Kafka Ausstellung im Sommer in Berlin stellt Uta Rüenauver die Frage: Ist Schüchterheit ein Motor der Literatur?

„Sobald ich mit anderen zusammen in einem Raum bin und nicht gerade nachdenke über das, was ich selber geschaffen habe, kann ich gar nicht bei mir selber bleiben, weil die Persönlichkeit eines jeden in diesem Raum anfängt, sich mir aufzudrängen, daß ich in kürzester Zeit vernichtet bin – und das nicht nur unter Erwachsenen; in einem Kindergarten wäre es das gleiche.“ John Keats

Der empfindsame, an sich und der Welt zweifelnde Dichter schafft in sozialer Abgeschiedenheit große Literatur – die Romantik prägte dieses populäre Künstlerbild. In der Moderne repräsentierte Franz Kafka es in solcher Vollkommenheit, dass er heute als exemplarisch Schüchterner gilt: hypersensibel, eigensinnig, voller Ängste und Selbstzweifel. Ein Mann, der am Tag ein angepasstes Leben als Versicherungsangestellter führt, nachts aber, etwas verschämt, das tut, was er für seinen eigentlichen Lebenszweck hält: schreiben. 

„ Also ich sehe es so, dass diese – na ja: schüchternen, zaghaften Personen ja im Grunde der Zielgerichtetheit und der Effizienz misstrauen, die in der Gesellschaft vorherrschend sind, und sich lieber in sich selbst zurückziehen. Und diese Figuren, die nicht so stark auftrumpfen, sich nicht so stark behaupten, (...) haben (...) ja, für mich zumindest, eine doch größere existenzielle Wahrhaftigkeit, weil Subjektivität ja immer etwas Prekäres hat.“ Marion Poschmann

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