Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Freie Muse in Fesseln

Redaktion: 

19.04. im Haus für Poesie: Lesung und Gespräch mit Kerstin Hensel Autorin, Berlin | Thomas Kunst Autor, Leipzig | Bertram Reinecke Autor, Leipzig | Moderation Christiane Kiesow Literaturwissenschaftlerin, Greifswald

Das Sonett ist eine Sucht in vierzehn Verszeilen. Das Sonett ist ein mit Regeln vermintes Gebilde, ein durchgereimtes, jambisches Biest, das nur nach den größten Könnern verlangt, um gemeistert zu werden. Dabei gilt: Das geglückte Sonett ist niemals gedrechselt, es atmet in der Form. Es ist die „Füll in engen Grenzen, / Und reines Ebenmaß der Gegensätze“ (A.W. Schlegel). Das Schreiben von Sonetten stellt daher die ganz hohe Kunst dar, leicht wird sie jedoch zur Manie, von der man nicht kuriert werden kann. Wer sie aber beherrscht, erhebt das Dichten in die zweite Potenz und avanciert zum Dichter-Dichter (von Ronsard bis Baudelaire, von Milton bis Keats, von Gryphius bis Rilke).

Die verwickelte Geschichte des Sonetts kennt Sonettschwemmen, Sonettaversionen, ja sogar Sonettkriege. Seit jeher wetteifern zwei Grundformen miteinander: das Petrarca-Sonett (zwei Quartette, zwei Terzette) und das Shakespeare-Sonett (drei Quartette mit einem schließenden Zweizeiler). Die Königsdisziplin besteht darin, aus 15 Sonetten einen Kranz zu flechten. Kerstin Hensel (geb. 1961 in Karl-Marx-Stadt), Thomas Kunst (geb. 1965 in Stralsund) und Bertram Reinecke (geb. 1974 in Güstrow) lesen eigene Sonette und diskutieren mit Christiane Kiesow die Bedeutung des Sonetts in der gegenwärtigen Dichtung.

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