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Sonderlinge

Redaktion: 

Fr 20.04. & Sa 21.04.   / Großer Saal Literaturhaus Berlin

ZfL Literaturtage im Literaturhaus Berlin: »Sonderlinge in der Gegenwartsliteratur«

Abb.: Lydia Mojzis & D.M. Nagu

Verschrobene Gelehrte, tyrannische alte Tanten, obsessive Aussteiger, freiwillig Behinderte, selbsternannte Herrscherinnen und begeisterte Untergründler: Die Literatur scheint derzeit von einem reichen Spektrum an Sonderlingen bevölkert zu sein. Hatte der Literarhistoriker Herman Meyer diesen Figurentypus in seiner klassischen Studie über den Sonderling in der deutschen Dichtung noch im 19. Jahrhundert verortet, ist er offenbar von besonderem Interesse für unsere Gegenwart.

Die ZfL-Literaturtage im Literaturhaus Berlin erkunden diesen Zusammenhang angesichts aktueller Debatten über kulturelle Vielfalt und Diversität, über den Respekt vor unterschiedlichen Identitäten und das Bemühen, möglichst allen Gruppen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gewähren. Und doch lassen sich literarische Sonderlinge nicht einfach dem modernen diversity management überantworten, denn sie sind ihrerseits Grenzfälle einer bereits zur politischen Norm gewordenen Diversität. Als schrullige, groteske, wenn nicht absurde Figuren verweigern sie sich jeder sozialen Anerkennung. In ihrer je eigenen Partikularität empfinden sie Integration und Inklusion als Zumutungen, denen sie sich beharrlich entziehen oder denen sie bestenfalls gleichgültig gegenüber stehen. Damit stellen sie die Übereinkünfte des zeitgenössischen Pluralismus- und Diversitätsdiskurses in Frage. Bringt gesellschaftliche Integration die jeweils individuelle Vielfalt nicht immer schon um ihr eigentliches Potenzial? Bedeutet Anerkennung nicht bereits Abschwächung oder gar Absorption dessen, was gerade anerkannt werden soll?

Der vermeintlich apolitische Sonderling könnte sich demnach prinzipiell als eine diversitätsskeptische Figur erweisen, indem er auf die eigene Fremde pocht und deren soziale oder kulturelle Approbation unbeirrt ausschlägt. Seine Absonderung erzeugt eine eigentümliche Art der Autonomie, ja der Souveränität, die in spezifischer Weise ästhetisch ist. Die Literaturtage im Literaturhaus Berlin sollen daher insbesondere erkunden, welcher Ton, welche Sprache und welche literarischen Genres der Darstellung von Sonderlingen zuträglich sind.

Programm:
Freitag, 20. April 2018
13:45 Uhr Begrüßung
14:00 Uhr Kat Kaufmann und Janika Gelinek (Literaturhaus Berlin)
15:00 Uhr Jonas Lüscher und Patrick Hohlweck (ZfL)
16:30 Uhr Steffen Popp und Jakob Gehlen (ZfL)
17:30 Uhr Gertraud Klemm und Claude Haas (ZfL)

Samstag, 21. April 2018
14:00 Uhr »Sonderlinge in der Literatur« Vortrag von Stefan Willer (ZfL/HU Berlin)
15:00 Uhr Ingo Schulze und Ulrike Vedder (HU Berlin)
16:30 Uhr Fatma Aydemir und Sonja Longolius (Literaturhaus Berlin)
17:30 Uhr Esther Kinsky und Mona Körte (ZfL)
19:00 Uhr Heinz Strunk und Stefan Willer (Zfl/ HU Berlin)

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