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Der „wirkliche“ Kafka

Redaktion: 

Bislang hat man in der Beschäftigung mit dem Weltschriftsteller Kafka keine wirklich grundlegende Rekonstruktion jenes „Blutsbruders“ von Heinrich v. Kleist, Søren Kierkegaard und Franz Grillparzer vollzogen, als der Kafka selbst sich immer wieder begriffen, geschildert, reflektiert: Mithin als der er geschrieben hat. Man hat den Prager zumeist „theoriegesteuert“ gelesen, statt im Sinn des nun angesagten „New Historicism“ nach den „wirklichen“ Antrieben für sein Schreiben, nach den sozialen Koordinaten seiner Existenz in der so umstürzlerischen Zeit zwischen 1900 und 1918 (Weltkriegsende) zu fragen. Mit Der andere Franz Kafka ändert sich dies. Ein Prager Dandy entsteht neu zwischen den Polen Einstein und Mozart, der Relativitätstheorie und der Musik. Was Stephen Greenblatt mit Shakespeare gelungen ist: den Autor zu „erden“ und „vernünftig“ verstehbar zu machen, könnten nun mit Blick auf Franz Kafka aus Prag gelingen. Dieser neue Blick löst noch bestehende Borniertheiten auf als die endliche Einlösung der brandaktuellen Forderung „genug dekonstruiert“ (so Iris Radisch in der Zeit). Eine besondere Frucht dieser Rekonstruktion besteht schließlich darin, dass auch Kafkas Begegnung mit der neuesten Physik in der Person Albert Einsteins ins Bild geholt wird, als womöglich eine unerhörte Annäherung an die innerste Natur dessen, was man die Welt als „das Kafkaeske“ zu sehen gelehrt hat.

Bernd  Neumann: Der andere Franz Kafka. Ein Prager Dandy zwischen Einsteins Relativitätstheorie und Mozarts Musik. Verlag Koenigshausen & Neumann.

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