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Inge Morath 1923-2002

Redaktion: 

Inge Morath | Lama, Times Square, NYC 1957 © Magnum Photos / Inge Morath Foundation / Fotohof archiv

Die Begegnung zwischen Inge Morath und dem Kriegsfotografen Robert Capa im Juli 1949 in der Pariser Foto-Agentur »Magnum« hat die Weichen für das weitere Leben der damals 26jährigen österreichischen Journalistin gestellt. Noch sollte es Jahre dauern, bis Inge Morath mit der Leica so vertraut war, dass sie 1953 bei Magnum als Fotografin anfing und 1956 als Vollmitglied geführt wurde.

1923 in Graz geboren, war Inge Morath durch den berufsbedingt häufigen Ortswechsel der Eltern in Europa von Jugend an gewohnt, sich auf Menschen und deren Sprachen einzustellen. Ihre besondere Begabung erleichterte ihr später als Foto-Reporterin ein schnelles Erlernen von fremden Sprachen in immer neuen Regionen der Welt.

An ihre Oberschulausbildung in Berlin, die in die ersten Jahre des Nationalsozialismus fiel, schloss sich der “Reichsarbeitsdienst“ an, bevor sie zum Studium der Romanistik an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zugelassen wurde. Danach wurde sie zur Arbeit in einem waffenproduzierenden Betrieb in Berlin-Tempelhof gezwungen. Nur durch ihren Mut, einen Bombenangriff zur Flucht zu nutzen, hat sie sich nach Salzburg zu den Eltern retten können.

Nach dem Krieg hat sie in Wien als Redakteurin für die von der US-Militärregierung in München herausgegebene Illustrierte »Heute« gearbeitet, oft gemeinsam mit dem Fotografen Ernst Haas und beide wurden 1949 von der Foto-Agentur »Magnum« entdeckt. Das war ihr Einstieg in ihre internationale Karriere als Reise-, Portrait- und Reportage-Fotografin.

Im Januar 1954 schickte Robert Capa Inge Morath zu ihrem ersten Reportage-Auftrag nach Spanien. Ihre ständigen Begleiter: zwei Leica-Kameras, eine für Schwarz-Weiß- und ein für Farb-Aufnahmen, ein Bildsucher und mehrere Objektive. Über Wochen begleitete sie in Madrid die Anwältin Mercedes Formica privat und geschäftlich, die sich im Franco-Regime erfolgreich für Frauenrechte eingesetzt hat. Und sie hatte es sich zur eisernen Regel, gemacht, die Erlebnisse auch in ausführlichen schriftlichen Aufzeichnungen festzuhalten.

Ein späterer Auftrag führte Morath nach London. Neben Stadtansichten entstanden Portraitaufnahmen, darunter das der steinreichen Mrs. Eveleigh Nash, die sich die Zeit mit der Einübung von Debütantinnen bei Hofe vertrieb.

Erstmals als Standfotografin eingesetzt, fuhr Inge Morath zusammen mit Henry Cartier-Bresson mit dem Auto quer durch die USA nach Reno, Nevada, zum Dreh des Film »Misfits- Nicht gesellschaftsfähig« nach dem Buch von Arthur Miller mit der seinerzeit berühmtesten Schauspielerin Marilyn Monroe in der Hauptrolle. Im nächsten Jahr traf sie Miller wieder, den sie ein Jahr später geheiratet hat. Ihre Reisen mündeten häufig in gemeinsamen Publikationen: mehrfach in die Sowjetunion, nach China und Kambodscha. Es war die Zeit der Reise-Bildbände und die Nachfrage nach fernen Landschaften und fremden Gesichter. Inge Morath ist eine Dokumentaristin des alltäglichen Lebens, eine stille Beobachterin, die fremde Kulturen, Menschen und Orte in “sentimentaler Zärtlichkeit“ (Arthur Miller) zeigt.

Das Verborgene Museum in Berlin zeigt ab Morgen außerdem Aufnahmen des österreichischen Fotografen Kurt Kaindl, der das Atelier von Inge Morath in Roxbury, USA,  fotografiert hat. Diesen Aufnahmen ihrer persönlichen Lebenswelt werden ihre Künstlerbildnisse und Reisefotografien u.a. aus Italien, China, Russland, dem Iran und Spanien gegenübergestellt.

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