Fixpoetry

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Mönchsauge

Redaktion: 

Ab nächsten Montag neu bei suhrkamp:
»Gedichte kennen kein Fragezeichen«, wird kühn behauptet in diesem Zyklus, der seine Anfänge in einer Dezembernacht hat. Cees Nooteboom ist zu dieser Zeit auf Schiermonnikoog, der Insel der grauen Mönche. Und so entstehen 33 Gedichte von strenger Form und großer Leichtigkeit, Bilder, Trugbilder, Traumbilder einer Wirklichkeit: Phaidros und Sokrates auf dem Dünenpfad, sechs Engel bei Windstärke zehn, ein Marder, der nachdenklich in der Felswand sitzt. Mit Sokrates kehren die Gedichte schließlich doch zu einem Fragezeichen zurück, zur großen Frage der menschlichen Existenz: Woher denn und wohin?

1

Am Bettrand ein mühsamer Gott,
sechs Engel mit ermüdeten Flügeln,
Windstärke zehn und gegen den Wind geflogen
übers Watt, stürmisches Meer.

In der Nacht sehe ich die jenseitigen Lichter,
betrachte die Engel, die mich anscheinend kennen,
meine Decke ausleihen wollen und im Grunde auch das Bett,
in dem ich ohnehin nicht schlafen konnte.

Der Gott gleicht dem Kapitän der Fähre,
die Kaninchen, die ich im Dunkeln rennen sah,
hatten Angst vor dem Jäger, der Leuchtturm
fiel mit seinem Licht quer ins Zimmer,

aber sonst war alles in Ordnung.
 

Im neuen Gedichtband des niederländischen Autors Cees Nooteboom stehen sich Wort und Bild gegenüber. Eigens für diese Ausgabe legteMatthias Weischer Zeichnungen und Aquarelle vor, die auf die Gedichte antworten, mit ihnen spielen, sie spiegeln: Der Dichter und der Maler komponieren zusammen ein Kunstwerk.

 

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