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Michael Rom

Redaktion: 

Neu bei Vorwerk 8 : Wolfgang Grossmann (Hg.): Michael Rom − will nicht zu den großohrigen elefanten. Gedichte / Lyrische Bilder / Stücke / Und.

Dieser Band versammelt alle bis heute auffindbaren Texte eines nahezu unbekannten deutschen Dichters: Michael Rom gehörte zum Poetenkreis in Prenzlauer Berg in Berlin/DDR und lebte einige Zeit in Dresden. Er schrieb expressionistische Ge­dichte, die bei dem Maler Ralf Kerbach und seiner Dresdener Untergrund-Kapelle ZWITSCHERMASCHINE Anklang fanden. Auch die Malerin Cornelia Schleime sang dort ihre Texte. Und Sascha Anderson, wohl einer der inzwischen berühmtesten Stasi-Spitzel der DDR. Wie A. R. Penck gingen sie alle nacheinander aus dem eigenartigen Dresden weg und auseinander, auch in den Westen Deutschlands. Dort wuchsen die Texte Roms sachte ins Uferlose; er nannte sie deswegen »Lyrische Bilder«; er setzte sich weiter mit dem Verfassen von Theaterstücken auseinander.
Nach seiner Zeit in Köln traf er in Frankfurt/Main auf den ungarischen Maler Thomas Olescher; gemeinsam realisierten sie etliche Performances und Happenings, denen die Dichtungen Roms sinngebend im Zentrum standen. 1990 wechselte Rom nach Berlin. Nur ein Jahr später wurde er dort von einem Kriminellen bei einem Raubüberfall auf ein Hotel, in dem er als Nachtportier aushalf, erschossen. Völlig sinnlos. Danach kam zum Mythos von der Stasi-Mord-Verschwörung noch der vom verschollenen Dichter-Nachlass. Fakt war einzig: Michael Roms Texte waren weg. Wolfgang Grossmann recherchierte bockig ungefähr drei Jahre lang in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, Archiven und Bibliotheken. Er befragte alte Freunde, damals Dabeigewesene und mutmaßlich Sachkundige und hat dadurch neue Bekannte und etliches aufgespürt, was nun in diesem Buch versammelt ist: Gedichte, »Lyrische Bilder«, Stücktexte, auch einige Statements oder Pamphlete und Bilder und Grafiken des Autors: Es tauchten textverarbeitende Holzschnitte bei einem be­freundeten serbischen Maler und verzaubernde Aquarelle auf. – Es finden sich Werke aus Roms so ganzem wie kurzem Leben. Dokumentiert werden Ergebnisse einer rohen, noch nicht ent­grateten Dichtung, in der sowohl der Punk der achtziger Jahre seinen Niederschlag fand, wie auch umgekehrt Rom selbst in der neueren, zer­klüftet-energischen Wortgebirgswelt z.B. Till Lindemanns und dessen Rammstein-Lyrik weiterwirkt.

Zum 60. Geburtstag Michael Roms erscheint also diese Ausgabe, die versucht, Rom, einer abgebrochenen Künstlerpersönlichkeit, ihren Platz in der Geschichte der unangepassten Literatur eines zerrissenen Deutschlands zu geben.
Zu entdecken sind ein zerrissenes Werk und dessen Urheber voller Eigenwilligkeit als Echo auf die Gewalt, die Lügen, die Abhängigkeiten und die Verleumdungen der Nachkriegszeit, die widerspenstig und kraftvoll liebend die eigenen Entwürfe zur realen Existenz formulieren. 

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