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Die vorschnellen Wisser

Redaktion: 

Sofia Glasl bespricht  aktuell den neuen Essay von Siri Hustvedt in der SZ und folgt ihr auf dem Weg in die Ungewissheit:

„Dabei identifiziert sie Brüche und Leerstellen, die sich ergeben, wenn man ein Problem nur aus einer Perspektive betrachtet. Bis heute gibt es beispielsweise die gängige Metapher vom menschlichen Gehirn als Computer, bei dem die genetische Disposition als Verkabelung gedacht wird. Das Bild suggeriert, dass auch Persönlichkeitsmerkmale fest verdrahtet sind, ähnlich wie bei einer Maschine. Doch gibt es nur wenige Hinweise darauf, dass die Persönlichkeit genetisch festgelegt ist, vielmehr wird sie von äußeren Einflüssen bedingt und bleibt immer im Fluss. Jeder Forschungsbereich ist von einer eigenen Sprache geprägt, die sich nicht notwendigerweise mit den Begrifflichkeiten der Nachbardisziplinen decken muss, auch dadurch entstehen hartnäckige Missverständnisse. Wissenschaftliche Gewissheit innerhalb eines Fachbereichs wird so zu einer sprachlichen Illusion. Anhand anschaulicher Beispiele und Studien, aber auch eigener Erfahrungswerte, zeigt Hustvedt, dass objektives Forschen weder in den Natur- noch in den Geisteswissenschaften möglich ist. Durch die permanenten Perspektivwechsel aber entsteht eine Haltung selbstreflexiver Distanz, die sich auf dynamische Prozesse statt Dichotomien verlässt und so neue Lösungsansätze für bestehende Probleme ermöglicht.“

Siri Hustvedt: Die Illusion der Gewissheit. Aus dem Englischen von Bettina Seifried. Rowohlt, 2018

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