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Die Wurzeln des Himmelns

Redaktion: 

Marc Zollinger schreibt aktuell in der NZZ über den Philosophen Emanuele Coccia und bemüht die "Natur als neuen Gott": „Coccia erklärt, wie durch die ersten zur Fotosynthese fähigen Organismen, die Cyanobakterien, die Transformation des Luftraums begann. Er sagt: «Dank den Pflanzen wurde die Erde zum metaphysischen Raum des Atems.» Und darum sei Leben auf unserem Planeten noch immer «ein Fliessen durch die Räume», auch an Land. Der Philosoph stellt gerne vertraute Ansichten auf den Kopf. So macht er etwa auch das Blatt zum Protagonisten der Pflanze: Stamm und Wurzel sind dem Blatt untergeordnet, tragen zu seiner Existenz bei. Vögeln gleich wenden sich die Blätter dem Himmel zu und zelebrieren ihre Leidenschaft für ein Leben in der Luft.“

Emanuele Coccia verbindet Philosophie, Anthropologie und Botanik zur ersten modernen Philosophie der Pflanzen.
Wenn wir über das Leben und dessen Ursprünge sprechen, denken wir an Menschen oder Tiere. Und die Pflanzen? Sie sind nur Gegenstand der Botanik, in der Philosophie spielen sie seit Aristoteles‘ Vorstellung eines vegetativen Seelenvermögens keine Rolle mehr. Kaum zu glauben, denn sie sind die eigentlichen Erschaffer der Welt. Sie können sich nicht bewegen und sind doch geniale Handwerker, sie vermitteln zwischen Erde und Sonne und besitzen verborgene zweite Körper im Boden. Emanuele Coccia gibt dem Leser ein neues Bewusstsein für die faszinierende Schönheit der Natur. Denn Pflanzen sind mehr als blühender Zufall, sie sind Grundlage allen Lebens und damit unentbehrlich für unser Wissen über uns.

Emanuele Coccia: Die Wurzeln der Welt. Eine Philosophie der Pflanzen. Übersetzt aus dem Französischen von Elsbeth Ranke. Carl-Hanser-Verlag, München 2018.

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