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Felix Philipp Ingold spricht aus, was viele denken. Diesmal zum Thema Literaturpreise im Juli Volltext:

„Gefördert (durch Stipendien) und belohnt (durch Valuta und Ehre) wird nach gegenwärtigem Literatur- und Marketingverständnis stets das Absehbare, das bereits in irgendeiner Weise als Trend etabliert ist. Keiner der großen Preise geht jemals an einen noch unentdeckten Literaten, weshalb es bei den laufenden Preisvergabungen denn auch nie zu Überraschungen kommt. Das Aufheben um Jan Wagner, der vor nicht allzu langer Zeit als erster Lyriker für seine humorigen Regentonnen- und Gartenlaubengedichte den deutschen Buchpreis erhielt und bald darauf auch mit dem renommierten Büchner-Preis ausgezeichnet wurde, sollte nicht vergessen machen, dass selbiger Autor zuvor schon 33 andere Literaturpreise und -stipendien bezogen hat. Darunter waren auch solche, deren Namengeber − Paul Scheerbart, Christine Lavant, Ernst Meister − seinem eigenen Schaffen Hohn sprechen würden.

Doch Preise bekommen zu haben, ist zur Zeit die beste Voraussetzung dafür, mit noch mehr Preisen bedacht zu werden. Ausgezeichnet wird das, was man kennt, was leicht zu rezipieren ist, was gern „geleikt“ und „geteilt“ wird, das also, was nicht als Risiko kalkuliert werden muss. Innovative Schriftsteller mit ausgeprägtem Personalstil können heute − anders als zu Zeiten des Nouveau roman oder der Konkreten Dichtung −  kaum noch damit rechnen, in die Kränze zu kommen.“

Man kann das erweitern: AutorInnen, die ganz bewußt bestimmte Mühen und gewisse Öffentlichkeiten meiden, haben immer weniger Chancen auf Wahrnehmung – wer keine Bepreisungen aufzuweisen hat, wird auch zu Lesungen oder zur Arbeit in Jurys nicht eingeladen. AutorInnen, die sich nicht eifrigst um die Nebenschauplätze kümmern, fallen raus aus den Bemusterungen. Der Betrieb traut sich eigene Urteile nicht mehr zu und solche Häufungen, wie sie Jan Wagner passiert sind (und um die er nicht einmal buhlen brauchte) sind ein Armutszeugnis für ausgeprägten Unsachverstand und ängstliche Nennersuche. (Frank Milautzcki)

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