Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Zur Aktualität Johann Nestroys

Redaktion: 

Da das deutschsprachige Feuilleton seit Jahren händeringend und zeichenzahlenschindend ihren Verlust beklagt, so beeilen wir uns – und nicht ganz ohne Belustigung –, zu verkünden, dass sie wieder da ist: die tagespolitische Relevanz der Literatur, namentlich des Repertoiretheaters:

Zumindest scheinen davon die Schwechater Gemeinderäte von der – immerhin – österreichischen Regierungspartei FPÖ auszugehen. Wir zitieren die Homepage des internationalen Nestroyzentrums Schwechat:

Am 30. Juni fand die Premiere von Nestroys „Zu ebener Erde und erster Stock“ in der Regie des Intendanten Peter Gruber statt.

Am Abend davor sahen sich nach einer Vernissage von Schwechater Künstlern im Schloss Rothmühle u.a. drei Gemeinderäte der FPÖ die Generalprobe an. Beim Couplet des Sekretärs Johann bei Goldfuchs verfasste Peter Gruber Zusatzstrophen, die vom Schauspieler Florian Haslinger vorgetragen wurden.

Unmittelbar danach verließen die FPÖ-Gemeinderäte empört die Vorstellung.

Am Samstag erreichte folgender Brief vom Schwechater FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Zistler die NÖN, welche das Schreiben an Peter Gruber weiterleiteten:

Sehr geehrte Fr. Müller und Hr. Burggraf!
Vergangenen Freitag besuchte ich die Generalprobe des Nestroy-Stückes „Zu ebener Erde und erster Stock“ im Schloss Rothmühle. Leider musste ich die Aufführung zur Pause verlassen. Zu ungeheuerlich war die Darbietung zu Ende der ersten Halbzeit. Zuerst wurde Bundeskanzler Kurz durch den Kakao gezogen und dann wurde es richtig tief. Ein Schauspieler bezeichnete die türkis/blaue Bundesregierung als großteils braun. Damit nicht genug folgte darauf der Hitlergruß und zwei betrunkene Schauspieler torkelten mit Deutschland-Fahnen zum FPÖ-Lied  … Immer wieder Österreich … über die Bühne. Was dem Regisseur da eingefallen ist ein Nestroy-Stück derartig zu verhunzen und mit linkslinken Blödheiten zu missbrauchen, kann ich mir nicht erklären. Immerhin werden die Nestroy-Spiele mit den Steuergeldern der Schwechater Bevölkerung subventioniert, und das nicht zu wenig. Falls diese Passagen nicht umgehend entfernt werden und eine Entschuldigung der Verantwortlichen folgt, wird die FPÖ-SCHWECHAT zukünftig keinen Geldern mehr für die Nestroy-Spiele zustimmen.
Liebe Grüße, GR KO FPÖ-SCHWECHAT Wolfgang Zistler

Peter Gruber schließt sowohl eine Textänderung als auch eine Entschuldigung selbstverständlich aus.

Hier einige Links zu den Medienreaktionen:
Der Standard→
Der Standard (Kommentar)→
Kurier→
Kurier (Kommentar)→
Die Presse→
Vorarlberg online→
Salzburger Nachrichten→
Nachtkritik.de→

„Zu ebener Erde und erster Stock“ ist noch bis 4. August zu sehen.

Kartenvorverkauf und telefonische Karten­reservierung auch im Nestroy-Büro in der Rothmühle (2320 Schwechat/Rannersdorf, Rothmühlstraße 5), Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag 15–18 Uhr, Telefon +43 650/472 32 12, E-Mail

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