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Graphein

Redaktion: 

Interessante Ankündigung der Galerie hochdruck für eine Ausstellung ab dem 16.10.2018:

"Victor Hugo, in seiner Doppelbegabung als Dichter und Zeichner selbst ein Wandler zwischen Schrift und Bild, schrieb 1839 in einem seiner Reiseberichte: "Die Hieroglyphe ist die notwenige Grundlage der Letter. Alle Lettern waren erst Zeichen, und alle Zeichen waren erst Bilder. Das menschliche Zusammenleben, die Welt, den ganzen Menschen trifft man im Alphabet an."

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Hochdruck untersucht die Wechselwirkungen zwischen Schrift und bildender Kunst, vom Einzelbuchstaben als abstraktem Zeichen oder Symbol bis zu zusammenhängenden Texten, die Bildcharakter annehmen. Der Schwerpunkt liegt auf dem 20. Jahrhundert, im dem durch die  exponentielle Zunahme druckgrafischer Methoden und Möglichkeiten vor allem im gebrauchs-grafischen Bereich ein Feuerwerk neuer typografischer Lösungen entfacht wird, das nicht nur oft ein Changieren zwischen Schrift als Bild und Bild als Schrift mit sich bringt, sondern auch eine Gratwanderung zwischen künstlerischem Anspruch und öffentlicher Wirksamkeit.

In diesem Zusammenhang werden nicht nur gebrauchsgrafische Entwürfe von Künstlern für Plakate, Bucheinbände oder Zeitungscover präsentiert, sondern auch besonders geglückte Beispiele aus der Hand von Spezialisten auf dem Gebiet der Werbegrafik. Als dritte Komponente reiht sich reine Künstlergrafik in den klassischen Drucktechniken Holzschnitt, Radierung, Lithographie und Siebdruck nahtlos ein, für deren formalen Aufbau und Aussagekraft kalligrafische, typografische oder textuelle Elemente - mit allen Kombinationsmöglichkeiten - konstituierend sind. Eine besondere Gruppe bilden hier wieder die Künstlerbücher. Eines der überragenden Beispiele ist sicher das von Fernand Léger zu einem Text von Blaise Cendrars konzipierte Buch "La Fin du Monde filmée par l'Ange N.-D." aus 1919, mit mehr oder weniger abstrakten, von Leuchtreklamen und dem jungen Medium Film inspirierten Textcollagen in Schablonentechnik. Letztere sollte in dieser Form erst in jüngerer Zeit von Graffiti-Künstlern weltweit wiederentdeckt werden. Weitere Themen der Ausstellung sind Notation - musikalische oder sonstige - und schriftverwandte Zeichen, oft im Zwischenbereich zwischen Anweisung zum tatsächlichen Gebrauch (wie bei der musikalischen Grafik) und reinem künstlerischen Ausdruck (wie beispielsweise bei der schriftähnlichen Zeichensprache Keith Harings), sowie ein stark textbasierter Bereich, der sich von literarischer Seite in Form visueller und konkreter Poesie dem Bild annähert. Hier seien als prominente und frühe Beispiele im 20. Jahrhundert die furiosen Textcollagen F. T. Marinettis aus seinem Buch "Les mots en liberté futuristes" genannt.

Ein nicht unwesentlicher Reiz der Ausstellung dürfte in der Möglichkeit des unmittelbaren Vergleiches zwischen neuerer, uns weitgehend geläufiger Schriftkunst und Beispielen textbasierter, intermedialer Kunst vom 15. bis zum 19. Jahrhundert liegen.  Hier bekommt man eine Ahnung, wie reichhaltig das einschlägige Material, von der illuminierten Buchseite eines Renaissance-Druckes, über die reich ornamentierte persische Gedichthandschrift, das barocke Schreibmeisterblatt in Labyrinthform, japanische Gedichtblätter des frühen 19. Jahrhunderts (Surimono), oder afrikanische Handschriften für den liturgischen Gebrauch, mit Schriftzeichen, die im Alltagsgebrauch lange ausgestorben sind, auch außerhalb des Einflussbereiches neuerer Avantgarden ist, mit denen wir üblicherweise zumindest das Gebiet der Typographie verbinden."

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