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Petras Aufzeichnungen

Redaktion: 

Die jungen Frauen der ersten Generation, die selbstverständlich wählen durfte – wie lebten sie? Was waren ihre Träume, ihre Enttäuschungen? Wie verarbeiteten sie das Erlebnis des Ersten Weltkriegs, die plötzliche Möglichkeit und Notwendigkeit der beruflichen Selbstständigkeit, den gleichzeitigen Mangel an Ausbildung, das Elend der Inflationszeit, den politischen Extremismus und die sich bereits abzeichnenden, davon ausgehenden Gefahren?

Paula Schlier veröffentlichte 1926 diesen nun bei Otto Müller in Salzburg wieder aufgelegten autobiografischen Text, in dem sie sich und ihrer Zeit Antworten auf diese Fragen gab. Mit 17 Jahren Krankenpflegerin in einem Kriegslazarett, dann ausgebeutete Stenotypistin bei schmierigen, klerikalen oder sich demokratisch nennenden Arbeitgebern und deren windige Geschäftspraktiken. Dies beschreibt sie ebenso wie die Leben von Frauen ihrer Bekanntschaft, etwa einer jungen Fürsorgerin, die sich um verelendete und missbrauchte Kinder bemühte oder einer Bohémienne in Schwabing. Tagebucheinträge bezeugen den Putschversuch Hitlers 1923 in München aus ihrer Sicht als Sekretärin im „Völkischen Beobachter“, der von wichtigtuerischen aber auch naiven, in jedem Fall aber verbrecherischen Männern betrieben wird.

Die Neuauflage dieses Werkes der Literatur der neuen Sachlichkeit macht ein Exempel für die literarische Prosa von Frauen in den 1920er Jahren wieder greifbar und enthält im Kommentar auch die durch den Herausgeber Ludwig Ficker 1926 gestrichenen Stellen sowie Anmerkungen der Autorin aus den 1970er Jahren.

Paula Schlier: Petras Aufzeichnungen oder Konzept einer Jugend nach dem Diktat der Zeit. Otto Müller Verlag, September 2018.

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