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Die Futura

Redaktion: 

Aktuell besprochen im Neuen Deutschland: Wunderschönes aus dem Typologie Verlag Hermann Schmidt: zu der Ausstellung 2016 im Gutenberg Museum über eine der wichtigsten neuen Schrifttypen der Moderne:

„Von Frankfurt aus eroberte Paul Renners Futura die Welt. Sie beeinflusste das Bauhaus und stand wie keine andere für die Neue Gestaltung  und wurde zu einer der beliebtesten Schriften aller Zeiten. Sie beflügelte die aufkommende Werbegrafik in Europa und den USA und wurde die Schrift des Wirtschaftswunders und der Werbung der Sechzigerjahre.

Sie ist belastbar und zeitlos, war nie vergessen und ist es doch wert, wiederentdeckt zu werden. In diesem vielfach ausgezeichneten Buch, in dem eine der erfolgreichsten Schriften der Geschichte ihre Geschichte erzählt.

Dass sie quasi zum Synonym der Neuen Gestaltung wurde, verdankt sie Fritz Wichert, einem genialen Marketer bei der Bauerschen Gießerei. Der ließ alle Schriftmuster im – kontrovers diskutierten, aber volle Aufmerksamkeit sichernden – Stil der Neuen Typografie in Futura setzen. Und verankerte so die Verbindung des Stils und der Schrift in den Köpfen der Auftraggeber und Setzereien.

Blick ins Buch

Ihre Erfolgs-Tour führte die Futura dann über Hannover, Berlin und München über Wien, Prag und Paris nach New York. Dort traf sie früh den Nerv der Zeit. Die kosmopolitische Kreativszene Manhattens sah die Grotesk als Schrift der Zukunft an und nahm die Futura begeistert auf.

Kaum eine Schrift hat je einen derartigen Type-Hype erlebt und ausgelöst, sie kam ins MoMa, zierte Banknoten und kündigte James Bond im Diamantenfieber an – und bekam dank der Nasa 1969 ein Denkmal auf dem Mond (ein kleiner Schritt in der großen Schriftkarriere).

Futura. Die Schrift ist eine kulturelle und ästhetische Zeitreise zurück in die Zukunft und erschließt eine neue Perspektive auf die Klassische Moderne. Und es zeigt: Die Futura ist neunzig Jahre und unglaublich gut in Form!“

  Blick ins Buch

„Der Werbegrafiker und Merz-Dichter Kurt Schwitters entwarf Vordrucke für Behörden- und Wirtschaftskorrespondenz, gleichzeitig Bilder und Ornamentgedichte aus der neuen Schrift. Die Lufthansa druckte damit ihre ersten Flugpläne. Der überreich bebilderte und sorgfältig gestaltete Band widmet sich nicht nur der Schrift und ihrer Anwendung, sondern vor allem auch dem politischen und ökonomischen Umfeld, in dem sie selbst zum Politikum wurde.

Die Naziideologen spalteten sich in ein modernes und antimodernes Lager. Die Antimodernisten scheiterten mit ihrer »artgerechten« Frakturschrift, weil u. a. ihre Verordnungen in den okkupierten Gebieten für die dortige Bevölkerung nicht lesbar waren. Ab 1938 wechselte man von der nun als »Schwabacher Judenschrift« verunglimpften Fraktur zu den modernen Schriften und bediente sich bei dem als »Kulturbolschewisten« verschrienen Paul Renner.“  msp in seiner Besprechung aktuell in Neues Deutschland.

Blick ins Buch

 

Petra Eisele, Annette Ludwig, Isabel Naegele: Futura. Die Schrift. Verlag Hermann Schmidt, 2016.

 

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