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Florentina Pakosta

Redaktion: 

Florentina Pakosta, Lachen! Malerin und Zeichnerin (Selbstbildnis FP), 1987-2004. Polychromos-Kreide auf Papier, Besitz der Künstlerin. © Bildrecht, Wien, 2018, Foto: Peter Ertl; Quelle: Sprengel Museum.

Noch bis 13. Januar zu sehen im Sprengel Museum in Hannover:

„In Kooperation mit der Albertina, Wien, stellt das Sprengel Museum Hannover das Werk der österreichischen Künstlerin Florentina Pakosta anlässlich ihres 85. Geburtstages in einer umfangreichen Retrospektive vor. Parallel zu ihrem bildkünstlerischen Werk hat sich Florentina Pakosta immer wieder auch publizistisch mit Kurzgeschichten und zum Teil bissig-humorvollen Texten mit scharfem feministischem Unterton zu Wort gemeldet. Sie ist eine der wichtigsten Vertreterinnen feministisch engagierter Kunst in Österreich. Nach großen Ausstellungen in der Albertina (2004) und dem Leopold Museum (2011) in Wien ist es die erste Museumsausstellung von Florentina Pakosta in Deutschland überhaupt.
 
Von Beginn ihres Studiums an ist ihr Werk politisch und gesellschaftlich engagiert und reagiert vor allem auf die Diskriminierung von Frauen in der Kunstszene. Im Wien der 1950er-Jahre beginnt sie mit Milieustudien. Später widmet sie sich den menschlichen Gesichtszügen und der Körpersprache als Ausdruck von geschlechtercodiertem Machtverhalten. In surrealistischer Manier kombiniert sie Physiognomien mit Schraubstöcken, Sägen, Messern oder Klobrillen, verformt Lippen zu Vogelschnäbeln oder lässt Fäuste aus der Nase wachsen. In großformatigen Zeichnungen studiert sie männliche Grimassen in Anlehnung an den deutsch-österreichischen Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736 – 1783) und zeichnet eine Serie von neun großen Porträts männlicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
 
Das Selbstporträt wird für die Künstlerin zum Ausgangspunkt zahlreicher Fragen. Einerseits ist es eine oft quälende Suche nach der eigenen Identität. Begriffe wie Schönheit und Hässlichkeit, eng mit dem Thema Porträt verbunden, werden hier bewusst und radikal in Frage gestellt.
 
»Meine Frauenköpfe orientieren sich nicht nach männlichen Maßstäben, sie sind nicht den Männerköpfen angepasst. Es sind Frauenköpfe, wie Frauen sind, wenn sie sich des Zwangs zum herkömmlichen weiblichen Rollenspiel entledigen.« (Florentina Pakosta, 1980)
 
In ihren Warenlandschaften und Menschenmassen der 1980er-Jahre thematisiert sie das Verschwinden des Subjekts in Bildern, die Assoziationen an die Konzentrationslager des Nationalsozialismus wecken. Seit den 1990er-Jahren arbeitet sie an abstrakten Kompositionen, die sich meist auf drei Farben reduzieren (Trikolore Bilder). Diese oft bis an die Schmerzgrenze reichenden Farbkombinationen und Balken-Kompositionen, die sich dem Betrachter als undurchdringliches Geflecht sperrig entgegenstellen, zeichnen auch jenseits der anekdotischen Narration ein Bild von schmerzlich-destruktiven Entwicklungen und Aggressionspotenzialen unserer Zeit.

Mit ihren gezeichneten Umkehrungen von Rollen- und Kräfteverhältnissen, mit ihrem genderbezogenen Realismus, aber auch mit der signalhaft lauten Stimme der Trikoloren Bilder besitzt das Werk der österreichischen Künstlerin bis heute große Aktualität.“

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Januar 2019