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Enis Macis Essays

Redaktion: 

Rückblick auf eine Neuerscheinung bei Suhrkamp aus dem vergangenen Herbst: Eiscafé Europa versammelt Essays von Enis Maci, die manchem aufmerksamen Leser der Edit vielleicht noch bekannt ist, als dort 2015 ihr „Zimmer 10“ veröffentlicht wurde.

Klappentext: Wie könnte Widerstand heute aussehen? Auf der Suche nach einer Antwort zieht Enis Maci eine Linie von Jeanne D'Arc über Sophie Scholl zu den albanischen Schwurjungfrauen. Sie entlarvt die medialen Strategien der Identitären als Travestie, befragt Muttersprache und Herkunft, reist nach Walhalla und blickt dort auf die Büste der in Auschwitz ermordeten Nonne Edith Stein. Sie verweilt in den sozialen Randzonen und verwebt die losen Zipfel erzählens-notwendiger Dinge zu einem dichten Panorama europäischer Gegenwart. Das Außerordentliche überkreuzt sich in ihren Essays mit dem Alltäglichen, das Private mit dem Politischen.

„Im Alter hat meine Großmutter den Feminismus für sich entdeckt. Unterm Sonnenschirm erklärte sie mir, dass sie die moderne Entwicklung, nicht sofort den ersten Mann, den man liebt, zum Kindsvater und Ehemann zu machen, durchaus begrüße, dass sie es gut finde, das Schwein im Zweifel in den Wind zu schießen, schließlich könne man aus seinen Fehlern lernen, man bekomme einen weiteren, zweiten Versuch. Aber Omma, sprach ich die offensichtlich offene Frage aus: Ab wie vielen Männern ist man denn dann ein Flittchen? Sie saß unterm Schirm, blinzelte in die untergehende Sonne, zuppelte an ihrem Bikini, sie dachte nach und antwortete: Drei.“

Aktuell bespricht Miryam Schellbach das Eiscafé Europa in der taz:
„Enis Maci hat ein Händchen für den Erkenntnisgewinn beim Genau-hinschauen, vielleicht weil sie als Dramatikerin gelernt hat, mit poetischen Unterbrechungen, mit Momenten des Stillstands, zu arbeiten. Das Ich ihrer Texte ist eine hartnäckige, eine mutige Enis, aber auch eine mit Witz. Eine, die auf ihrer ersten Anti-Nazi-Demo im Polizeikessel landet, des rosa Tussi-Outfits wegen aber mühelos freigelassen wird und schlussfolgert: „Manchmal ist es eben das Lipgloss, das eine radikale Kritik erst richtig glänzen lässt.“

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Januar 2019