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Neuerscheinung im Jüdischen Verlag bei Suhrkamp: Caroline Jessen: Der Sammler Karl Wolfskehl.

Als »großen Bücherkundigen« und »weltgeschichtliches Refugium« hat Walter Benjamin Karl Wolfskehl beschrieben. Der Dichter registrierte die politischen Veränderungen in Deutschland früh und floh 1933 nach Italien. Seine Bibliothek, in der Volkslieder und Barock auf Brentano und Novalis, Spengler und Buber trafen, musste er im Zuge der Emigration veräußern. Der Verleger Salman Schocken erwarb die Sammlung und transferierte sie 1938 nach Jerusalem. Von dort aus kam sie 1975 in den Handel, zerstreute sich in Forschungsbibliotheken und Privatbesitz. Nur wenige Bücher begleiteten Wolfskehl 1938 aus Italien ins neuseeländische Exil: Grundstock einer neuen Sammlung.

"Seine Bibliothek umfasste neben den großen Abteilungen zu Romantik,  Klassik  und  Gegenwartsliteratur,  Kulturgeschichte  und  Geschichtswissenschaft  et  cetera  eine  große  Sammlung religiöser  Lieder,  die  vom  16.  ins  20.  Jahrhundert  führte,  Jahrmarktsdrucke,  Predigten,  Grabreden,  Bücher  zu  Magie  und  Aberglauben, zu alten Maschinen und Freimaurerei, aber auch hebräisch-deutsche  Gebetbücher,  Sammlungen  jüdischer  Sagen und Volkslieder neben pseudojiddischen Antisemitica, arabischen Handschriften sowie nicht zuletzt Rezeptsammlungen für Arzneien und Gerichte in deutscher, italienischer und französischer Sprache. Die Ränder dieser Bibliothek fransten aus, sie war zugleich Archiv eines umtriebigen Lebens."

Dieses Buch zeichnet die Wege der Bücher von München über Jerusalem bis Auckland nach, fragt nach den Umständen des Verkaufs und dem Nachleben der heute zerstreuten Bibliothek. Es zeigt erstmals den extravaganten Sammler von Elfenbeinzähnen, seltenen Drucken, Büchern und Spielsachen.

 

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