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Gesellschaftsräume der Literatur

Redaktion: 

Im Mittelpunkt der vierten Veranstaltung der Reihe Gesellschaftsräume der Literatur am 23.4., in der Alten Schmiede in Wien stehen am 18 Uhr kollektive Elemente und Methoden der literarischen Produktion: Die Schriftstellerin Lisa Spalt, die 2017 das Institut für poetische Alltagsverbesserung proklamiert hat, erläutert unter dem Titel Schreiben in Gesellschaft ihre Ansätze literarischer Gemeinschaftsproduktion und stellt ihnen korrespondierende Produktionen aus Tschechien, Rumänien und Österreich zur Seite. Ein Referenzwerk des Abends ist die neueste Publikation der amerikanischen Wissenschaftshistorikerin Donna Haraway: Unruhig bleiben – Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän (erschienen im Campus Verlag).

»Sympoiesis« und »Zusammen-Werden« sind Schlüsselwörter in einem eben von Karin Harrasser ins Deutsche übertragenen Buch der amerikanischen Wissenschaftstheoretikerin, Biologin und Geschlechterforscherin Donna Haraway. Es trägt den Titel »Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän« und soll dem Abend »Schreiben in Gesellschaft« seine Grundierung geben. Wenn Poesie vom »Poein«, also vom »Machen« herkommt, dann wird dieses hier verstanden als eines des vielfältigen Zusammenspielens. Pavel Novotný stellt die Projekte »Tramvestie« und »Wolken« vor. Menschen berichten, was ihnen durch den Kopf geht – angesichts der Welt, die sich vor dem Fenster einer fahrenden Straßenbahn entrollt; angesichts der Wolken, die sie am Boden liegend beobachten. Novotný erlaubt sich, die Poesie in ihren Texten und Stimmen hervortreten zu lassen. Dieter Sperl hat unterschiedlichste Menschen gebeten, »die eine« Geschichte ihres Lebens zu erzählen. Das mit den spezifischen Sprechweisen untrennbar verbundene Erzählen, die Melodien und Akzente waren bestimmend für das Hörstück, in dem nun alle Beteiligten zusammenwirken. Gabriel Horaţiu Decuble hat 2012 »Moș Crăciun & Co.« (dt. »Weihnachtsmann & Co. KG«) initiiert. Der Roman wurde von 53 Schreibenden in simultaner Arbeit verfasst und nach nur einem Tag Entstehungszeit als »Geschenk an die rumänische Gesellschaft« veröffentlicht. Lisa Spalt stellt das »Institut für poetische Alltagsverbesserung« vor, das als poetischer Dienstleistungsbetrieb angelegt ist. Dieser will Gesellschaft ausprobieren, will gemeinsames Erinnern und Zukunft im Dialog erproben. Die Rolle der »Geschichte« wird in einer mythologischen und einer utopischen Abteilung hervorgehoben. Gesellschaft als »tentakuläre« – ein bei Haraway wichtiges Wort – wird schließlich im Beitrag Karin Harrassers zur Sprache kommen, die neben dem Buch Haraways auch »sympoetische« Versuche mit Studierenden der Linzer Kunstuniversität vorstellen wird. Schließlich wird ein von ihr moderiertes, alle Anwesenden einbeziehendes Gespräch den Abend beschließen. (Lisa Spalt)

Donna J. Haraway:Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän. Aus dem Englischen von Karin Harrasser. Campus Verlag.

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