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Wespennest Nr. 176, Klima

Redaktion: 

Der Newsletter des Wespennests berichtet:

„Hat uns der heiße und trockene Sommer 2018 klargemacht, dass Klima das zentrale Thema unserer Zeit ist? (zum Editorial) Die Last, den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bewältigen, kann nicht länger ausschließlich den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden. Hitzewellen, steigende Meeresspiegel und desolate Ökosysteme sind im Jetzt angekommen und zwingen zum Umdenken. 

Klimawandel ist mehr als nur einige heiße Sommer, er ist eine sozial-ökologische Krise, der nicht nur global, sondern auch multilokal begegnet werden kann und muss, so argumentiert Ulrich Brand in einem Gespräch mit Ilija Trojanow. Was falsch läuft in den medialen Debatten um Klima, untersuchen Maximilian Probst und Daniel Pelletier. Sie plädieren in ihrer Auflistung der „sieben Todsünden des Journalismus“ dafür, Klima als Hyperthema zu fassen, das alle anderen durchdringt.

Klimadaten überfordern häufig unser Vorstellungsvermögen. Wie lassen sich Größenordnungen des Klimawandels in Ethik, Politik und Wirtschaft übertragen und abbilden? Experimente mit Maßstäben, die etwa im viktorianischen Großbritannien populär waren, könnten, wie der Umwelthistoriker Fredrik Albritton Jonsson zeigt, hilfreich sein: Indem man die kosmische Größenordnung auf die örtliche Geografie und Erfahrung übertrug, bekamen Zahlen und entfernte Objekte für den Verstand Bedeutung.

Ein kulturgeschichtlicher Blick auf vergangene Jahrhunderte macht zudem deutlich, so Eva Horn im Interview, dass Klima von der Antike bis ins späte 18. Jahrhundert als kulturbestimmendes Phänomen galt. Kunst, soziale Institutionen und Religion – all das wurde mit klimatischen Bedingungen in Verbindung gebracht.

Dass es allerdings Unkultur ist, die gegenwärtig das politische Klima vergiftet, erläutert Oliver Scheiber in einem Beitrag, der Federico Fellinis Ginger und Fred zum Ausgangspunkt nimmt und sich für all jene „Kräfte, die sich nach Solidarität und Chancengleicheit sehnen“ einen breiteren Aufbruch erhofft.

Neben den politischen und historischen Aspekten fragt der Schwerpunkt auch literarisch nach Klima- und Wetterlagen: Vorgestellt werden unter anderem die einzigartig „ekstatischen“, über einen Zeitraum von beinahe fünfzig Jahren entstandenen Wetterbücher Hans Jürgen von der Wenses, deren poetische Sprengkraft uns Valeska Bertoncini erschließt; Bodo Hell wandert sprachlich-räumlich entlang der Zerstörungsspur eines Tornados des Jahres 1916, und der isländische Dichter Sjón macht sich am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über die Rolle des Schriftstellers in Zeiten des Klimawandels Gedanken.

Außerdem in diesem Heft: Georg Seeßlen fragt nach der Gegenwart des Zukünftigen in unserer Wirklichkeit und diagnostiziert als Krankheit unserer Zeit ihren fundamentalen Mangel an utopischem Geist, Andreas F. Kelletat schlägt in einer Freundschafts-, Todes- und Trennungsgeschichte den Bogen von den gemeinsamen Anfängen bis zu „Ach je“, einem der letzten Gedichte des früh verstorbenen Thomas Kling, und Alice Grünfelder sucht nach Stimmen und Spuren jener chinesischen Arbeiter, die in Frankreich hinter den Frontlinien des Ersten Weltkriegs als „Kriegsaufräumer“ schufteten. Darüber hinaus stellen wir neue Prosa und Dichtung von Katharina Bendixen, Steffen Brenner, Helwig Brunner, Petar Matovic und Dieter Schönecker vor – und beschließen das Heft wie immer mit einem umfassenden Buchbesprechungsteil.“

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