Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

SchriftBilder

Redaktion: 

Emil Toman, ohne Titel, undatiert (um 1980), Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 120 cm, © zs art galerie

In der kommenden Ausstellung "SchriftBilder” (ab 05.06.) thematisiert zs art eines der spezifischen Charakteristika, die einem Menschen beim Schreiben, Zeichnen oder Malen zu eigen sind. Die präsentierten Werke zeichnen sich durch Schriftzeichen, imaginäre Glyphen und Symboliken aus, einer am Malgrund gestikulierenden grafischen Sprache – meditativ fließend bis ungestüm exzentrisch, aber jedes Werk für sich eindrucksvoll poetisch.

Skriptorale Bilder sind ein Thema, das Drago Prelog nun schon über 70 Jahre beschäftigt. Auf diese erstaunliche Zeitspanne kommt Prelog, weil er seine ersten leidenschaftlichen Versuche im Alter von drei Jahren einbezieht. Damals schon faszinierte ihn der geschriebene Text. Nicht, dass er ihn verstand, es war das Schriftbild, das ihn nachhaltig beeindruckte und das er damals nachahmte, neu formulierte, indem er Linien Zeile für Zeile aneinanderreihte. Später, als freischaffender Künstler, schrieb er die Bibel und den Koran auf seine besondere Weise ab. In der Akademie forderten die StudentInnen von ihm, in Schrift unterrichtet zu werden. Und bis heute entstehen in Drago Prelogs Atelier immer wieder skriptorale Gemälde auf für ihn typischem Malgrund. Eine kleine feine Auswahl zeigt nun die Ausstellung "SchriftBilder“.

Angelika Kaufmann schreibt Texte – vorzugsweise von Friederike Mayröcker – in klarer, fast kindlicher Schreibschrift bis zur Unlesbarkeit übereinander. Sie tut dies auf transparentem, dünnem Papier, das währenddessen auf dem eigentlichen Zeichengrund liegt. Der saugende Büttenkarton nimmt die durchsickernde Farbe unterschiedlich auf, mit dem Resultat meditativer, im Grauwert sanft changierender Flächen. Flächen, die Texte, Gedanken ihrer Freundin Friederike Mayröcker, auf geheimnisvoll ästhetische Weise bewahren.
"SchriftBilder“ zeigt darüber hinaus ein weiteres Juwel aus dem Schaffensschatz von Angelika Kaufmann: ein von ihr auf 224 Seiten dicht beschriebenes und illustriertes Buch, das von Straßenbahnfahrten „Ihrer“ Linie 5 (von der Station Lange Gasse zum Wiener Westbahnhof und wieder retour, entstanden von April 2012 bis April 2016) mit liebevoller und zugleich höchst aufmerksamer Akribie erzählt.

Ähnlich wie Angelika Kaufmann arbeitet Sabine Müller-Funk mit gestisch geschriebenem, das Format füllendem, Text. Sabine Müller-Funks Zeichenträger sind vorzugsweise Glasflächen: „Membrane“ als Zone des Übergangs, des Durchgangs, der Öffnung, der Durchlässigkeit zwischen dem Davor und dem Dahinter, zwischen dem Eigenen und dem Fremden.
Die handgeschriebenen Botschaften entstehen, indem sie in die am Glas frisch aufgetragene Farbfläche schreibt, also Farbe wegnimmt. Und je nach Zustand der Farbe ergibt sich mehr oder weniger Transparenz. Veränderung inkludiert Vergänglichkeit. Der Text bleibt an der Oberfläche lesbar, das auf die Fläche darunter sickernde Licht reflektiert ein anderes, eigenes SchriftBild und SelbstBild.

Der Freigeist Emil Toman fand seine malerische Freiheit als logische Konsequenz im Informel. Hier fühlte er sich eins mit dem Universum. Und dieses Universum, die gewaltige Ästhetik des unendlichen Chaos, ist schließlich auch sein imaginäres Motiv, seine Faszination. Die Vorstellung von etwas Unvorstellbaren mündet in der Gegenstandslosigkeit – abstrakt schon im Denken, wie Schrift oder Mathematik. Deshalb enthalten seine Bilder immer auch glyphenartige Symboliken, Formeln, die das Weltall berechnen, begreifen wollen und im Grunde ebenso unergründlich im Bildraum verhallen wie die Unendlichkeit im All.

Eduardo Vega de Seoane sucht nicht nach Freiheit, er lebt sie, er erlebt sie im Malprozess. Beseelt und inspiriert gibt er sich den Jazzklängen hin, skizziert seine Empfindungen beim Hören dieser Musik spontan auf die Leinwand. Eduardo Vega de Seoane malt Musik. Und es sind neben harmonischen Farbtönen immer wieder abstrakte Zeichen, die sich mit den Farbflächen abwechseln, vereinen. Es ist ein Tanz zwischen den Wolken, ein Lustwandeln in der Schwerelosigkeit.

Obwohl Antoni Tàpies seine dadaistische Phase selbstkritisch als Einschränkung seiner Spontanität empfand, sprühen seine Arbeiten nur so von dadaistischer Spontanität. Tàpies, zu deutsch Mauer, bezog sich in seinen Werken gerne auf deren Bedeutung: ein Symbol der Trennung, aber mit seinen Narben und Zeichnungen auch ein Zeit-Dokument aus Jahrhunderten. Deshalb verwendete Antoni Tàpies in seinen Bildern immer wieder Symbole, Sinnbilder und Analogien – Zeichen, beladen mit überlieferter Bedeutung. Im Kontrast zur schrillen bunten Welt der Werbung begnügte sich Tàpies gerne einer gedämpften Farbskala. Die übertriebene Reduktion seiner Bildkompositionen entstand aus Angst, die Bilder zu überladen. Das Weglassen, den richtigen Zeitpunkt zu finden aufzuhören, war nicht nur für Tàpies oftmals das Schwierigste im Entstehungsprozess.

Mehr aus der Fix Zone



September 2019



August 2019



Juli 2019



Juni 2019



Mai 2019



April 2019



März 2019



Februar 2019



Januar 2019