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Hans Lebert „Wolfshaut“

Redaktion: 

Hans Lebert "Die Wolfshaut" - Erstausgabe im Claassen Verlag 1960

Eben im Ö1 gelaufen, jetzt nachzuhören beim radiohörer: „Die Wolfshaut“ von Hans Lebert.

Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nannte „Die Wolfshaut“ den „ersten radikal modernen Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur“. „Die Wolfshaut“ war ihrer Zeit voraus: 1960 erschienen, wollte sich damals kaum jemand mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

Eine fremde, unheimliche Welt eröffnet Hans Leberts Roman „Die Wolfshaut“. Der Schauplatz scheint gewöhnlich, ein fiktives, wohl in der Steiermark angesiedeltes Bergdorf mit dem sprechenden Namen „Schweigen“. Hinter dem Alltag aus Wirtshaus, Waldarbeit und Lokalpolitik aber öffnen sich Abgründe: Ein dunkles Geheimnis ist in Schweigen begraben, eines, das seinen Ursprung im Naziterror des Zweiten Weltkrieges hat. Denn die Geschichte beginnt 1952 – in der Zeit danach. Die Menschen vergessen und verdrängen, sie wollen ihre Ruhe haben und nicht an die Gräuel der Vergangenheit erinnert werden. Ein Außenseiter ist es, der dies nicht zulassen will: Johann Unfreund, ein Matrose, der erst mehrere Jahre nach Kriegsende in die „gottverlassene Gegend“ seiner Kindheit zurückkehrt …

Von Schriftstellern und Kritikern gelobt, wurden Roman und Autor dennoch schnell vergessen. Erst die Neuauflage von 1991 brachte Leberts Text wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Zwei Jahre später starb der 1919 in Wien geborene Autor in Baden. Sein Buch „Die Wolfshaut“ bleibt ein echter Jahrhundertroman: Er weist zurück in die Vergangenheit und gilt als eine der ersten literarischen Auseinandersetzungen mit den Mechanismen der kollektiven Verdrängung, greift aber mit seiner sprachlichen Kraft auch weit in die Zukunft hinaus (Johanna Rachinger über „Die Wolfshaut“).

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