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Nahbellpreis 2019

Redaktion: 

DAS G&GN-INSTITUT PRÄSENTIERT: 20 JAHRE NAHBELLPREIS 2000-2019
www.POESIEPREIS.de  (1 Jahr lang bis zum 21.6.2020)

WER BELLT AUS WELCHER NÄHE? DIE GEBURT EINES LYRIKPREISES AUS DEM GEISTE DER SATIRE & VISION: 3 JUBILÄUMSPREISTRÄGER(INNEN) 2019 - ERSTMALS VERGABE DES "FÖRDERPREISES" AUFGRUND DER UNERWARTET VIELEN BEWERBUNGEN! DER NAHBELLPREIS GEHT 2019 DREIMAL INS AUSLAND: NACH MEXIKO, WIEN UND KÖLN :-) DIE STILE DER DREI LYRIKER(INNEN) KÖNNTEN NICHT UNTERSCHIEDLICHER SEIN: SLAMPOETISCHE, SOUNDPOETISCHE UND KLASSISCH-MODERNE DICHTUNG VOM FEINSTEN! DIE DIESJÄHRIGEN GEWINNER(INNEN) SIND: MELAMAR (HAUPTPREIS) / THOMAS HAVLIK (HAUPTPREIS) / KARIN POSTH (FÖRDERPREIS) - IM JAHRE 2000 VERLIEH DAS G&GN-INSTITUT AM 21. JUNI ERSTMALS DEN NAHBELLPREIS! SEITDEM WÜRDIGT DAS "INSTITUT FÜR GANZ & GARNIX" ALLJÄHRLICH AUSGEWÄHLTE LEBENDE DEUTSCHSPRACHIGE LYRIKER(INNEN) MIT SEINER HAUSGEMACHTEN PARODIE AUF DAS VERKLÜNGELTE ESTABLISHMENT, UM AUF SOLCHE DICHTER(INNEN) AUFMERKSAM ZU MACHEN, DIE EINEN "ECHTEN" NOBELPREIS VERDIENT HÄTTEN, DEN ALLERDINGS HEUTZUTAGE NACH DEM PEINLICHEN SKANDAL KEINER MEHR WILL...

DER ERSTE HAUPTPREIS GEHT 2019 AN:
melamar, bürgerlich: Melanie Marschnig, geboren 1976. Leiterin von Schreibworkshops, Moderatorin von Open Mics.

AUSZUG AUS DEN ANTWORTEN VON MELAMAR IM NAHBELL-INTERVIEW:

Jene meiner Texte, die als "politisch" wahrgenommen werden, sind häufig Anklagen oder Beschreibungen von Missständen oder einfach Niederschriften von Begebenheiten. Die frühen Gedichte waren sicher in viel stärkem Ausmaß autobiografisch geprägt. Da ging es sehr viel um Einsamkeit, um Wut, um Trauer, um Verzweiflung, bis hin zur Todessehnsucht. Es ging viel mehr darum, das eigene Gefühlsleben auf Papier zu bannen. Ich entdeckte das Schreiben als ein seelisches Gleichgewichtsorgan für mich. Das Schreiben hat mir in schwierigen Phasen vielleicht das Leben gerettet. Als ich zu schreiben begann, wurde das erst so richtig zur Kenntnis genommen, als ich im Alter von 16 meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte und die Lokalzeitungen darüber berichteten. Ich habe in sehr jungen Jahren im Alter von 15, 16 meine eigenen Lyrikhefte gebastelt und in meinem Freundeskreis vertrieben. Mir war phasenweise die gesprochene Darbietung sehr viel wichtiger als das gedruckte Wort. Ich habe dann auch selbst gebrannte CDs angeboten. Das allerste Mal aber, dass ich mich um die Veröffentlichung eines Gedichtbandes bemühte, war ich erst 18. Der Verleger, weit über 30, und für mein damaliges Empfinden uralt, machte mir Avancen. Als ich mich nicht mit ihm einlassen wollte, ließ er das Projekt, das bereits so weit gediehen war, dass Layout-Fragen erörtert wurden, platzen. Was die klassischeren Publikationen betrifft, da fällt auf, dass im Großen und Ganzen die Selfpublisher heutzutage nicht mehr so Fanzine-mäßig auftreten wie vielleicht vor zwanzig Jahren noch. Das hat wohl damit zu tun, dass durch den Digitaldruck heute auch kleine Auflagen von Taschenbüchern gedruckt und bei Bedarf nachgedruckt werden können.
DAS GANZE INTERVIEW HIER

melamar

LESESTUNDE

ich wähnte mich
unbeobachtet
als ich das buch
küsste
doch er stand
in der tür

krieg ich auch einen kuss?
aber klar doch!

komm, lass mich lesen
gedichte
auf deinen lippen
in deinem mund

lass mich
geschichten lesen
auf deiner haut

lass dein geschlecht
und mein geschlecht
neue stücke aufführen
in eigenregie

 

DER ZWEITE HAUPTPREIS GEHT 2019 AN:
Thomas Havlik, geboren 1978. Mitherausgeber des Magazins Huellkurven.

AUSZUG AUS DEN ANTWORTEN VON THOMAS HAVLIK IM NAHBELL-INTERVIEW:

Eine möglichst große Unmittelbarkeit zwischen Künstler und Rezipient wollte ich erreichen, die Entgrenzung bis hin zu körperlicher Erfahrbarkeit von Poesie voran treiben, die dabei stattfindet und die bei gedruckten Texten nur schwer möglich ist: Mittel und Wege zu erschließen, um dem nahe zu kommen, hat mich schon immer interessiert. Schlecht vorgetragene Gedichte oder Texte ähneln meiner Meinung nach mehr irgendwelchen Produktpräsentationen als einem "Live-Erlebnis" welcher Art auch immer, Veranstaltungen, bei denen man nicht unbedingt etwas versäumt, wenn man nicht dabei ist. Bin ich dem manipulativen Einsatz politischer Rede oder Schein-Bedürfnisse triggernder Werbung ausgesetzt, ist das, als würde eine fremde Macht Botenstoffe eines Gifts in mich einspritzen, das unterbewusste Signale überträgt, gegen die mir zum Beispiel Lautpoesie oder sprachexperimentelle visuelle Arbeiten ein wirksames Gegenmittel zu sein scheinen. Viel zu oft kommt ein Text oder ein Gespräch, in dem es um "Sprachkunst" geht, nicht ohne ein Wiederkäuen der historischen Avantgarden aus, und es wird zum Beispiel betont, sie seien unter anderem eine Reaktion auf die beiden Weltkriege gewesen: das mag schon stimmen, doch Beweggründe, ebenso den auf uns im gegenwärtigen postliterarischen Emoji-Zeitalter einprasselnden Botschaften und Informationen mit einer zarten Grundskepsis zu begegnen, gibt es meiner Meinung nach genug, um den verschiedenen Techniken so genannter experimenteller Literatur auch heute Relevanz zuzusprechen. Ich glaube, die allermeisten meiner transmedialen Arbeiten beinhalten im Kern ein mehr oder weniger politisches Element – und sei es ihre Flüchtigkeit, die sich sträubt gegen das allzu Gefällige und Vermarktbare. Vielleicht sind meine sprachexperimentellen Werke eine einzige Meditation über die Spuren, die menschliche Kommunkation hinterlässt.
DAS GANZE INTERVIEW HIER

Thomas Havlik

D, taumur b, z labe B
(Aus: Vocology #03: "Voices of Babel // Babel of Voices", 2015)

Und d Zange: derE/Ä tahte
neie rape-Sch! -
Lei-Niere, rote W
Und s haschge.
s Haschge sl eis chan gozen.
ad faden N: s ene bEnee m dealn –
Saiern N onthwene: ad selbst
Und s schrenpa reine muz, randeen. Onl-Wah? - Tals, sst
n´s geZiel, schreiten n! - rath beren-nn, n
s geziel dein-te hinne sal n-Site, n´s
HD-Ezrar dein-te hinne sal Mörtel
Und s schrenpa: onl-Wah! anbeu w, anbeu r s ee dat-St!
Dat-St! u ee mur-T essend zeit-Sp a-den emil-Hm eriche
u hamcen w u ei e mean-N
ss-ad: w chint zurtet ser wrd br d g-z eder!
Und vah-Jeo fr hrndr, d tat-Sd u dn Trm z he-n
wheel-c
d Mnschn: n riked, n eu bat
Und vah-Jeo schrap: he-eiS, s nd n lok-V u: n beha ll n Schrape
u ds beha-n sss gegangen fan zzz tn u
nn dr w nine h - n
chts ver ehrt w, erden w, w ss e z t – ers, innen
onl-Wah, la ns hernieder ah-fner u re rape-Sch!
ad ss- belt rev rein wr d d d ssss n d
edn arne rape-Sch nnnn, rev-ente hs!

DER ERSTMALS VERGEBENE NAHBELL-FÖRDERPREIS GEHT 2019 AN:
Karin Posth, geboren 1945, seit 1976 Übersetzerin.

AUSZUG AUS DEN ANTWORTEN VON KARIN POSTH IM NAHBELL-FÖRDERINTERVIEW:

Die Liebe zum Wort bestand schon immer. Lyrik gibt meinem Leben Sinn. Und ist ein guter Grund, nicht lange über das Altern nachzudenken. Braucht nicht jedes Haus ein gutes Fundament? Egal, wie genial die Form ist, die jemand darauf stellt? Wer ist schon ein angeborenes Genie? Wer hat im Vorschulalter angefangen, Lyrik zu schreiben und es im Laufe seines Lebens zur Meisterschaft gebracht? Talent braucht zu seiner Entfaltung Anregungen und gezielte Unterstützung. Und die habe ich durch das Fernstudium bekommen. Juli 2010 habe ich das Studium begonnen. Seitdem schreibe ich Gedichte. Für mich gilt: Jede Woche Lyrik von guten Lyrikern lesen, für die ich mich begeistern kann; ein Thema finden für ein Gedicht, was mir wirklich wichtig ist; nach Worten, Wendungen, Bildern, Vergleichen suchen; Gedichte bis zur Veröffentlichung überarbeiten. Wenn es sein muss, gefühlte hundert Mal. Mich einem Trend zu unterwerfen, gefiele mir nicht. Ich pausiere nie. Ich schreibe immer an mehreren Gedichten gleichzeitig. 10 Stück liegen meistens ausgedruckt auf dem Schreibtisch und warten auf ihre Überarbeitung. Ich fange immer wieder von vorne an. Nicht selten ist der Funke, der Veranlasser des Gedichts, am Ende erloschen. Ob das Gedicht dann besser ist, weiß ich nicht zu sagen. Die Buchhandlungen wie z. B. Thalia und Mayersche müssen ihre Einstellung ändern und auch der Lyrik eine Chance geben. Sie geben sie auch Romanen, unabhängig vom Bekanntheitsgrad oder der Romanqualität. Da sie keine "neuen" Anthologien und Lyrikbücher in den Lyrikregalen haben, weichen Käufer auf Online-Bestellungen aus.
DAS GANZE INTERVIEW HIER

Karin Posth

geduldig wartet die erde
(Aus: "der himmel ist kein geschenk", 2013)

am morgen. die vier elemente
sitzen am tisch und spielen
versessen ein spiel nach
dem anderen. der einsatz ist
hoch. sie versetzen dünen,
falten gebirge, schnippeln kontinente
auseinander oder stecken sie
zusammen. türmen wellen
auf und versenken schiffe,
werfen häuser und bäume
aus dem spiel. zug um zug,
wie es im buch der erde
geschrieben steht. der himmel
über der erde schläft
einträchtig wie ein bruder. uns
reißen sie gewaltsam aus dem
schlaf und lassen uns vor
angst erstarren.
hört endlich auf, schreien wir.
spielverderber, antworten sie.

DAS G&GN-INSTITUT GRATULIERT ALLEN ZU IHRER BEMERKENSWERTEN DICHTUNG UND WÜNSCHT WEITERHIN GUTES GELINGEN!

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