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Ballade und Romanze

Redaktion: 

Kleine Presseschau: Wulf Segebrecht bespricht detail- und kenntnisreich auf literaturkritik.de das Buchvon Ulrich Gaier: Ballade und Romanze. Poetik und Geschichte. Königshausen & Neumann, Würzburg 2019:
„„Eine Ballade“, sagt er (Ulrich Gaier), „bringt zum Bewusstsein, dass jemand eine Grenze setzt, verteidigt oder überschreitet. Oder umgekehrt: Ein Gedicht, das zeigt, wie jemand eine Grenze setzt, verteidigt oder überschreitet, nennt man Ballade“. Also doch eine Definition, eine Grenzziehung! Die Prüfung dieses Merkmals spielt sich auf der Handlungsebene des Textes und auf der Rezeptionsebene des Lesers ab. Doch Gaiers Beispielreihe für die balladesken Grenzüberschreitungen (zwischen Leben und Tod, vermeintlicher Freiheit und tatsächlicher Bindung, Mitleid und Zynismus usw.) zeigt, dass es sich gerade nicht um balladenspezifische Grenzüberschreitungen handelt.“

„Gelegentlich müssen allerlei assoziative Spekulationen solide Recherchen ersetzen. So z.B. im Fall der dadaistischen Ballade Atze von Erwin Bloomfeld (Blumenfeld), mit der Gaier eine echte Entdeckung gelingt.“

*

Diese Entdeckung wollen wir hier teilen:

 

A T Z E
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Lenzgedicht von Erwin Bloomfeld (Holland)

Dunkel ist das Weltgewissen,
ATZE, wilste mir die Fresse küssen.

Das Blut ist ROT
Und
dunkel
ist das Weltgewissen.

Wer hat dich, du schöner Wald,
ATZE, hörste, wie es knallt,

Das Blut ist ROT
Und
wer hat
dich, duschöner Wald.

Ich weiß an der Wieden ein kleines Hotel.
ATZE, küsse schnell, o schnell.

Das Blut ist ROT
Und
ich weiß
an der Wieden ein kleines Hotel.

von: Erwin Blumenfeld (1897 - 1969).
in: Der Dada, Nr. 3, April 1920.

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