Fixpoetry

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Schittko goes Shakespeare

Redaktion: 

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From fairest creatures we desire increase,
That thereby beauty’s rose might never die,
But as the riper should by time decease,
His tender heir might bear his memory;
But thou, contracted to thine own bright eyes,
Feed’st thy light’s flame with self-substantial fuel,
Making a famine where abundance lies,
Thyself thy foe, to thy sweet self too cruel.
Thou that art now the world’s fresh ornament
And only herald to the gaudy spring
Within thine own bud buriest thy content,
And, tender churl, mak’st waste in niggarding.
Pity the world, or else this glutton be:
To eat the world’s due, by the grave and thee

Von den schönsten Kreaturen wollen wir zunehmen, / Dass dadurch die Rose der Schönheit niemals sterben würde, / Aber wie der Ripper mit der Zeit nachlassen sollte, / Sein zarter Erbe könnte seine Erinnerung tragen; / Aber du, deine eigenen leuchtenden Augen, / Füttere die Flamme deines Lichts mit selbsttreibendem Brennstoff, / Eine Hungersnot machen, wo Fülle liegt, / Sei dein Feind, zu deinem süßen Selbst zu grausam. / Du bist jetzt das frische Ornament der Welt / Und kündigt nur den bunten Frühling an / In deinem eigenen Knospe vergräbst du deinen Inhalt, / Und, zarte Churl, vergeuden in Niggarding. / Schade der Welt oder sonst dieser Vielfraß sein: / Um die Welt zu essen, am Grab und dir.

Bei Shakespeare’s Sonnets (dt. Shakespeares Sonette) handelt es sich um den spätesten Großzyklus von Sonetten in der Nachfolge Francesco Petrarcas, d.h. die Sonette widmen sich (wenn auch nicht ausschließlich) dem Thema Liebe. Kein Werk der Weltliteratur – außer den Texten der Bibel – wurde häu­ ger ins Deutsche übertragen. Etwa 300 Übersetzer haben sich seit dem 18. Jahrhundert, als Shakespeare in Deutschland wie in England wiederentdeckt wurde, bis heute mit den Sonetten beschäftigt. In den Jahren zwischen 1836 und 1894 erschienen allein zwölf kommentierte deutsche Gesamtübersetzungen. Bis August 2018 sind 78 deutsche Gesamtübersetzungen und mehr als 80 Teilübersetzungen des Werkes publiziert. Es war nicht zuletzt auch dieser Umstand, der Clemens Schittko dazu bewogen hat, sich mit dem Zyklus zu befassen. Allerdings wollte er keine konventionelle Übersetzung anfertigen, so wie hunderte Übersetzer vor ihm. Und so hat er die englischen Originaltexte von einer bekannteren Übersetzungsmaschine „übertragen“ lassen. Aus dieser „Maschinenübersetzung“ ist nun ein Buch geworden. Clemens Schittko schreibt: „Ich denke, dass gerade dieses ,schiefe‘ bzw. ,falsche‘ Deutsch im Grunde erst die Poesie erzeugt.“

Clemens Schittko wurde 1978 in Berlin (Ost) geboren. Er ist ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Abgebrochenes Studium der Literaturund Musikwissenschaft und Philosophie. Arbeitete u. a. als Fensterputzer, Lektor, Beifahrer, Kirchwart, Gärtner und Tresenkraft. Für sein literarisches Schaffen erhielt er u. a. den „lauter niemand preis für politische lyrik 2010“ und zuletzt den „Karin-Kramer-Preis für widerständige Literatur 2018“.
Veröffentlichungen (Auswahl): da kapo mit CS-Gas (mit Kai Pohl), Gedichte (FIXPOETRY, Hamburg 2011). Weiter im Text (Ritter Verlag, Klagenfurt und Graz 2016). Ein ganz normales Buch (freiraum-verlag, Greifswald 2016).

William Shakespeare: Sonnets / Sonette. Übersetzt von Clemens Schittko.  Gestaltung: Kai Pohl. MOLOKO PRINT 062 | 2019

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