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Klangsondagen für Thomas Kling

Redaktion: 

Matthias Muche, Posaune
Nicola L. Hein, Gitarre
mit Christian Reiner, Stimme
Luis Negrón van Grieken, Video
Matthias Neuenhofer,  Video

Donnerstag, 10. Oktober 2019 19:00 Uhr
Haus für Musiker, Theater
Raketenstation Hombroich 12
41472 Neuss

Das Werk des Schriftstellers Thomas Kling hat große Spuren hinterlassen in der deutschen Literatur und in vielen Bereichen neue Maßstäbe gesetzt. Kling betont in seinen Texten häufig die klangliche Dimension der Sprache durch die Auslassung von Vokalen, die Verwendung von unterschiedlichen Dialekten, die bewusste Akkumulation von Lautketten und eine besondere Art des Vortrags, ohne dabei die Semantizität der Sprache aufzulösen. Mit diesem Fokus hat er auch in Fragen der Kommunikation von Musik und Text, der Musikalität der dichterischen Sprache eine bahnbrechende Arbeit geleistet.

Das Posaunen-Gitarre Duo Matthias Muche/Nicola L. Hein wird gemeinsam mit dem Wiener Stimmkünstler und Sprecher Christian Reiner und den Videokünstlern Luis Negrón van Grieken und Matthias Neuenhofer Texte von Thomas Kling interpretieren und aufführen.

Konzipiert anhand des Begriffes der "Sprachinstallation", haben die Künstler Texte aus Thomas Klings Werk visuell/digital, musikalisch und stimmlich bearbeitet und musikalische/räumliche Kompositionen entwickelt, welche das intime Sich-Verzahnen von Text, Musik, Sprache und Bild in das Zentrum der Arbeit stellen und hiermit ganz neue Perspektiven auf die Kommunikation von Musik, Bild und Sprache und die hier verwendeten Werke Klings werfen.

Muche/Hein spielen zeitgenössische Musik und haben unter dem Bandnamen 7000 EICHEN bereits zwei Tonträger veröffentlicht. Dabei verwenden sie klangliche Idiome und Konzepte, die sich mit dem Begriff Reduktionismus in Verbindung bringen lassen. Anders gesagt bildet das Spielen mit besonderen, ideosynkratischen Klängen und die Erweiterung eben jener zu Klangräumen das Rückgrat ihrer Ästhetik. Diese Klänge werden jedoch, entgegen dem Mainstream, auf einem sehr hohen dynamischen und energetischen Niveau gespielt, was ihrer Anwendung und Wirkung ganz andere Richtungen ermöglicht.

Der aus München stammende und in Wien lebende Christian Reiner ist der derzeit wohl gefragteste und präsenteste Stimmkünstler und Sprecher im Bereich der zeitgenössischen Musik und Stimmkunst. Er nutzt eigene, improvisierte Texte, aber auch Texte von Autoren wie Friedrich Hölderlin (ECM 2012), Ernst Herbeck, Georg Trakl, Christine Lavant, Marie Luise Kaschnitz und Daniil Charms.

Matthias Neuenhofer und Luis Negrón van Grieken sind zwei deutschlandweit bekannte Größen der Arbeit mit Bewegtbild (in Konversation mit Klang). Beide blicken auf eine lange Geschichte des Arbeitens in installativen und performativen Kontexten zurück, in denen die Musik oft eine besondere Rolle spielt. Darüber hinaus haben sich beide Künstler der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen von Text im Bild gewidmet und mit Textrealisation in Live-Kontexten gearbeitet.

Das gemeinsame Erklingen von Text und Musik (besonders mit dem verstorbenen Kölner Schlagzeuger Frank Köllges) bildete einen wichtigen Teil von Klings performativer Textdarbietung. Bis heute ist Klings gemeinsame Arbeit mit der Musik ein wichtiger Bestandteil des Vermächtnisses eines der bedeutendsten deutschen Lyriker der 80er/90er Jahre. Anhand des Begriffes der "Sprachinstallation" soll die Arbeit mit den Texten Klings jedoch über den akustischen Vortrag hinaus erweitert werden. So werden seine Texte nicht nur durch den Vortrag Reiners' akustisch präsentiert, sondern auch räumlich, mit den Mitteln der Videokunst, installiert. Hiermit folgen die Künstler auch der von unterschiedlichen Kennern Klings artikulierten Meinung, dass seine Texte nicht nur gehört, sondern auch gelesen werden und im Lesen gleichsam verlautbart werden müssten, um sich in ihrer Dynamik und Vielstimmigkeit zu erschließen.

Die Klangsondagen für Thomas Kling waren im Mai 2019 bereits in den NKR Neuer Kunstraum Düsseldorf und in der Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln aufgeführt worden. Die Proben fanden im von Raimund Abraham entworfenen Haus für Musiker, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Thomas Kling Archiv auf der Raketenstation Hombroich, statt.

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