Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Henri Matisse in Tanger

Redaktion: 

Bemerkenswerte Neuerscheinung im Piet Meyer Verlag: Abdelkader Benali: Henri Matisse in Tanger. Eine persönliche Spurensuche. Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens.

Nach Tanger zog es schon viele Maler und Schriftsteller Europas. Eine Stadt, deren Gassen eng und schmutzig sind, eine Stadt, die sich Einheimische und Besucher gleichermaßen unterwirft. Abdelkader Benali lernt diesen Ort erstmals im Sommer 1998 als Sprachstudent kennen. Der 22-Jährige hat da in den Niederlanden bereits einen erfolgreichen Roman publiziert. Was ihn hergelockt hat, ist ein Bild von Matisse, das dieser zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Stadt am Meer malte. In einem marokkanischen Dorf geboren, war Benali als Kind mit seinen Eltern nach Rotterdam gezogen. Doch sein Besuch ist weniger eine Spurensuche in die eigene Vergangenheit als vielmehr die Selbstvergewisserung als Schriftsteller, der seine Sinne ganz für all die verwirrenden Eindrücke öffnet und es nicht versäumt, an die Tür von Paul Bowles zu klopfen.
Kreisend, mittels Rückblenden, Beobachtungen und Reflexionen nähert sich Benali wie ein Flaneur der Stadt Tanger als Erfahrungsraum an. Eugène Delacroix und der französische Reiseschriftsteller Pierre Loti zählten zu ihren frühen Besuchern. Gespräche mit einem befreundeten Maler bringen dem Autor Henri Matisse näher.
Das Blau des Meeres, das Licht, die koloniale Vergangenheit und jener unwägbare Raum zwischen Europa und Orient – all das fängt Benali in einem berückenden Mosaik ein. Seine poetische Sprache, die sinnliche Bilder mit klugen Aphorismen verbindet, entfaltet einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Beim Zuklappen des Buches ist man bloß von einem Gedanken beherrscht: nach Tanger!

 

Mehr aus der Fix Zone



Juli 2020



Juni 2020



Mai 2020



April 2020



März 2020



Februar 2020



Januar 2020