Fix Zone

Ungarische Lyrik

Redaktion: 

Kleine Presseschau: Ilma Rakusa bespricht in der NZZ zwei Bände ungarische Lyrik:

„So präsentiert sich der Band «Hamlet Berlin» als ein Diptychon, das mit «Leichenprunk» metaphysische Höhen erklimmt. Biblisches, antikes und jüdisch-chassidisches Gedankengut durchdringt die Verse, die gleichwohl nicht an drastischer Bodenhaftung verlieren. Beil und Blut sind ebenso gegenwärtig wie die Angst. «Er hat Angst / vor dem Einschlafen. Sucht wie das Kind am Abend / eine Ausrede. Während der Bildschirmschoner tanzt.» Bei allem formalen Können beherrscht Borbély auch die einfache, eingängige Sprache, denn er weiss, wovon er spricht. Die existenzielle Dringlichkeit seiner Gedichte vermittelt sich sofort und schmerzlich, man kann sich ihr nicht entziehen. Im Februar 2014 nahm sich Szilárd Borbély das Leben. Seine Verse sind sein Vermächtnis, und nicht nur als solches herausragend.“

3. [ Epilog I.]

[i.]

Ich merze die Vergleiche aus, bevor ich
dran bin. Die Fallen der Rede wie
Schlingen in der Zugrichtung des Wildes,
die zum Wasserloch führt. Manchmal
zappelt es tagelang darin, und sein Wimmern
wird brüchig wie Weihnachtsbaumschmuck
zwischen Baumwolle in der naphthalinmuffigen
Speisekammer, durchzogen
von Rissen. Eine einzige Berührung lässt ihn
zerfallen. Anderswo die Wildbirne
im Laub, die Hagebutte, die Heidelbeere
und die seltene Kornelkirsche.

Szilárd Borbély: Berlin Hamlet. Gedichte. Herausgegeben und aus dem Ungarischen übersetzt von Heike Flemming. Bibliothek Suhrkamp 1511.

Leseprobe

*

János Térey: Budapester Überschreitungen. Aus dem Ungarischen und mit einem Nachwort von Wilhelm Droste. Arco-Verlag, Wuppertal 2019.

 Überschreitungen in Budapest – das geschieht hier im Doppelsinn. In den Geschichten wird immer wieder die Donau überschritten, ein Übersetzen von Buda nach Pest, hin und her, wo die Seelen sehr verschieden ihr Unwesen treiben. Überschritten werden dabei zugleich die üblichen Grenzen der Diskretion. Geheimnisse werden gelüftet, Gewißheiten erschüttert, Verschüttetes wird aufgedeckt. János Térey liefert einen lyrischen (Ver-)Führer durch das Budapest von heute und gestern, Blicke eines Eingeweihten auf diese schaurig-schöne Stadt.

 

 

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