Fixpoetry

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„ohne hervorkehr“

Redaktion: 

Neu im Poetenladen: Róža Domašcyna: stimmen aus der unterbühne. Gedichte.

Als Grenzgängerin zwischen den Sprachen ist die Dichterin Róža Domašcyna bekannt geworden. In ihrem neuen Band fasziniert das Zusammenspiel von narrativen und poetischen Elementen, von kritischer Aufarbeitung bis zur Protokollierung des Verschwindens identitätsstiftender Kultur- und Naturräume. Wie Michael Braun konstatierte, stehen »Róža Domašcynas Gedichte in denkbar weitester Entfernung zur sorbischen Heimatfolklore und zu allen naiven Versuchen, in den jenseitigen Dörfern der Lausitz ein idyllisches Paradiesgärtlein zu verorten.

»Róža Domašcyna schreibt seltsam bezaubernde Gedichte und Texte, zauberhaft und wirklich in einem poetischen Vollzug wie niemand sonst in gegenwärtiger deutscher Lyrik. Vollzug in zwei Sprachen, sorbisch und deutsch, hervorgerufen aus einer gesellschaftlichen Tradition, in einer Landschaft mit alten Dörfern bäuerlicher sorbischer Bevölkerung und gewalttätig veränderter Natur durch die Industrie der Braunkohletagebaue mit zugewanderten Arbeitern deutscher Herkunft: Aus diesem Zwiespalt sucht und findet sie die Sprache für ihre Dichtung.«
Gerhard Wolf, Laudatio zum Sächsischen Literaturpreis 2018

 

Am tisch

für Sedmica, die gruppe

unterkunft gesucht
angeboten die behausung der unbehausten
ohne floskel ohne protokoll
mit einer umarmung ohne hervorkehr
des fremden selber fremd
unter der uhr mit dem doppelschlag
am bahnhof hinter dem vogelaugenahorn
beäugt und beargwöhnt
auf dem vorplatz neben den sträuchern

nie dufteten giersch und mädesüß
derart aus dem erinnern
wie am tische jener die ihre heller
zusammenlegten für das willkommen

Aus: stimmen aus der unterbühne
(poetenladen 2020)

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