Fixpoetry

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Fix Zone

Hebridenschiefer

Redaktion: 

Neuerscheinung bei Suhrkamp:
Schiefer, dem vielgestaltigen, wandlungsfähigen Sedimentgestein, und den Slate Islands, einem kleinen Archipel vor der Westküste Schottlands, ist Esther Kinskys neues Buch gewidmet. Jahrhundertelang wurde auf jenen zu den Inneren Hebriden gehörenden Inseln Schiefer abgebaut, und tief geprägt sind sie von der vor vielen Jahrzehnten schon aufgegebenen Intensivindustrie, die eine bizarre Landschaft der Trümmer und gefluteten Steinbrüche hinterlassen hat.

Bruch

Da gings an der bruchkante lang
alles in stücken
geborsten gesplittert geschuppt
quarried
vom stein ergattert und fallen gelassen

verstreut im scherbichten gelände
mutmaßungsspleiße
kein hundshecheln kein fährtenwittern
der zeit kommt man auch so auf die spur
durchs streifen über vollzogene frakturen
mit mäßig verhornter fingerkuppe

die weislich spürt dazumal
da schlug es noch nirgends
gleichwelches herz wies jetzt zuhalse klopft
beim wort allein: steinbruch.

 

Die Gedichte und kurzen Prosatexte dieses dreiteiligen Bandes erkunden Fragen der geologischen Frühgeschichte und der Definitionen des metamorphischen Gesteins der Inseln, widmen sich der Flora und den Vögeln in einer Gegend der Unwirtlichkeit und streifen, ausgehend von einem alten Schulfoto, die Geschichte der in die harte Arbeit des Schieferabbaus eingebundenen Menschen. Parallel zu den Natur- und Geschichtserkundungen setzen sich die Texte mit der menschlichen Erinnerung auseinander, die ein ähnlicher »Metamorphit« ist wie der Schiefer, ein Schichtwerk in Bewegung, unvorhersehbaren und schwer nachvollziehbaren Wandlungen unterworfen.

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