Fixpoetry

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Anis Balladen

Redaktion: 

Kommende Woche bei Suhrkamp: Friedrich Ani: Die Raben von Ninive - Balladen, andere Gedichte und ein Zwiegespräch.

VOM GESCHRIEBENSEIN

Kann sein, dass irgendwo die Wörter lauern,
die wirklich großen, bloßen,
ohne Rankwerk, ohne Mauern,
gegen die wir beim Beschreiben stoßen.

Kann sein, sie sind ganz nah,
und ich bin’s, der sich unnahbar
benimmt und glaubt, dass er bestimmt,
was falsch ist und was wahr.

Das Wort, du Narr, führt dir die Hand, es leitet
dich aus der öden Wildnis
deiner Stube und es weitet
deinen Blick und macht aus dir ein Bildnis.

Kann sein, das Wort ist nah.
Doch du bist irgendwie nicht da.
Bestimmt, weil du schon wieder denkst
und dich im Hirn verrenkst.

Leg endlich deinen Griffel weg,
dichten hat so keinen Zweck.

Dreh dich um, sag keinen Ton.
Da steht das Wort und schreibt dich schon.

Auch als Lyriker genießt Friedrich Ani Anerkennung und Bewunderung. Jetzt hat er sich einer besonderen Gedichtform gewidmet, den Balladen – und es ist nicht zu weit hergeholt, sie in die Tradition von Brecht und Biermann zu rücken. Es gelingt ihm in diesem populären Genre, die aktuellen politischen Ängste, die Bedürfnisse des Populus anzusprechen, teils zu bestärken, teils zurückzuweisen, teils zu bekämpfen. Balladen sind für ihn also eine Kunstform, in der er politisch werden kann, ohne sich agitatorisch zu verhalten. Politisch kann er jedoch nur werden, wenn er die privatesten Umstände seiner Existenz beleuchtet und enthüllt. In ihrer Verschränktheit von Öffentlichkeit und Privatheit belegen diese Gedichte die Gegenwärtigkeit von Balladendichtung und zugleich Friedrich Anis poetische Kunst.

 

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