Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

„Thank Bob for Beatniks“

Redaktion: 

Portrait Bob Kaufman (Quelle: wikipedia)

Als Ursendung gelaufen im BR und derzeit nachzuhören beim radiohörer: das Hörspiel: „Thank Bob for Beatniks“ Von Bob Kaufman/Andreas Ammer.

Allen Ginsberg erzählt, dass es Bob Kaufman war, der die Bezeichnung „Beatnik“ für ihre gemeinsame Lebenshaltung propagiert habe: Halb harter Beat wie im Jazz, halb zielloser Sputnik im Weltraum, stets unterwegs auf den Straßen und in den Cafés, am besten am North Beach, oben in San Francisco.

A place is the space. Natürlich führte das FBI eine Akte über den ehemaligen Seemann Bob Kaufman. Aber das Büro verzweifelte fast am Lebenswandel des Bohème-Dichters mit karibisch-deutschen Wurzeln, der – öfters leicht berauscht – durch die Straßen von San Francisco schlenderte und jedem seine Gedichte vortrug (wenn er nicht gerade im Protest gegen die politischen Zustände in den USA in ein mehrjähriges Schweigen versunken war). Zwar hatten die Kommunisten den unsteten Genossen aus ihrer Partei geworfen, aber das FBI führte Kaufman weiter als verdächtigen, obdachlosen „drifter“. Es fand trotzdem weder seinen Wohnort noch war man sich sicher, ob man überhaupt den richtigen Bob Kaufman verfolgte, der im Beverly Hills Hotel als Kellner wegen Drogenkonsums gefeuert worden war und den es dann nach San Francisco verschlug, wo er Zeitschriften mit dem seltsamen Titel „Beatitude“ herausgab, des Öfteren verhaftet wurde und „Abomunistische Manifeste“ verfasste, die keiner verstand, der nicht ein früher Beatnik oder ein später Dadaist war: Auf „Engpop, emgpop, boint plolo, plolo, bob bob“ endet die Abomunistische Rationalhymne.

Zweimal wurde Bob Kaufman, der große Unbekannte der Beatniks, in Europa entdeckt. In Frankreich, wo er heute noch als „Schwarzer Rimbaud“ bezeichnet wird und in der Ost-Dichterszene um Durs Grünbein, Bert Papenfuß und Sascha Anderson, die 1990 gemeinsam seinen Gedichtband „Solitüden“ übersetzten und in einem Privatdruck herausbrachten. Für das Hörspiel „Thank Bob for Beatniks“haben Andreas Ammer, die Gebrüder Acher und Leo Hopfinger eine verloren geglaubte Lesung des legendären Dichters aufgespürt und mit Musik versehen. Zusammen mit der FBI-Akte, Erinnerungen von Allen Ginsberg, Lesungen der afro-amerikanischen Jazz- und HipHop-Musikerinnen Angel Bat Dawid und Moor Mother und der legendären Patti Smith haben sie ein akustisch-anarchistisches Epitaph für den fast vergessenen Dichter errichtet, der einer der wenigen wirklichen Avantgardisten Amerikas gewesen ist.

Thank Bob for Beatniks
Von Bob Kaufman/Andreas Ammer
Mit Patti Smith, Moor Mother, Angel Bat Dawid, Durs Grünbein und anderen
Musik: Markus Acher/Micha Acher/Leo Hopfinger
Realisation: Andreas Ammer/Markus Acher/Micha Acher
Ursendung BR 2020

 

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2020



November 2020



Oktober 2020



September 2020



August 2020



Juli 2020



Juni 2020



Mai 2020



April 2020



März 2020



Februar 2020



Januar 2020